Bis zum Freitag der vergangenen Woche gab sich Luiz Inacio Lula da Silva in Berlin und Hamburg die Ehre. Der Präsident von Brasilien wurde von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel empfangen. Beide Politiker betonten die guten bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien. Deutschland ist zwar nicht der größte Handelspartner des südamerikanischen Landes, dennoch sind beide Länder auf wirtschaftlicher Ebene eng verbunden.

Die Exporte von Brasilien nach Deutschland haben sich seit dem Jahr 2004 auf 9,5 Milliarden Euro verdoppelt, die deutschen Ausfuhren nach Brasilien stiegen auf ein Volumen von 8,7 Milliarden Euro. Die Handelskammer in São Paulo vertritt rund 1.200 deutsche Firmen, die Megacity mit ihren etwa 20 Millionen Einwohnern gilt als bedeutendster deutscher Industriestandort in Brasilien. Die guten Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Brasilien reichen weit zurück. So wurde beispielsweise VW do Brasil im November 50 Jahre alt.

Auch in der Gegenwart sind deutsche Firmen in Brasilien aktiv. Thyssen-Krupp baut gerade ein Stahlwerk bei Rio de Janeiro für 4,7 Milliarden Euro. Präsident Lula liebt solche Großprojekte. Mit dem Kapitalismus hat sich der ehemalige Gewerkschaftsführer längst arrangiert. Das einst hoch defizitäre und von Inflation geplagte Brasilien hat die Weltwirtschaftskrise dank kluger wirtschaftspolitischer Maßnahmen relativ gut überstanden. Denn Lula überlässt nicht alles den Märkten und liefert auf diese Weise das Volk nicht den Spekulanten aus.

Im Jahr 2002, als der neue Präsident von Brasilien, sein Amt antrat, versprach er „Hunger null“. Heute zahlt die Regierung Millionen von bedürftigen Brasilianern im Zuge des Sozialprogramms „Bolsa Familia“ 80 Euro im Monat. Politische Gegner bezeichnen diese Zuwendungen zwar als Almosen, doch ganze Bevölkerungsgruppen nähern sich der unteren Mittelschicht an und werden zu Konsumenten, wovon wiederum die brasilianische Wirtschaft profitiert. Deswegen lieben 80 Prozent der Brasilianer ihren Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva.