Evo Morales hat die Präsidentschaftswahlen in Bolivien deutlich gewonnen und hat künftig auch eine Mehrheit im Parlament. Der neue und alte Präsident feierte bei seiner Wiederwahl einen Triumph, wie es noch kein anderer Staatschef der Nation geschafft hatte. Evo Morales verkündigte am Präsidentenpalast in der Altstadt von La Paz: „Wieder hat das bolivianische Volk dank seines Gewissens Geschichte gemacht. Die demokratische Revolution geht weiter.“
62,5 Prozent der Stimmen entfielen auf Evo Morales, fast neun Prozentpunkte mehr als vor 16 Monaten, als sich der Präsident mit einem Referendum über seinen Verbleib im Präsidentenamt durchgesetzt hatte. Sein nationalistischer Herausforderer Manfred Villa erhielt nur 27,6 Prozent der Stimmen. Bis mindestens 2015 darf der ehemalige Koka-Gewerkschafter nun in Bolivien weiterregieren, ohne Rücksicht auf die konservative Opposition nehmen zu müssen.
Seine Bewegung zum Sozialismus (MAS) beherrscht in Zukunft außer dem Abgeordnetenhaus auch den zuvor aufsässigen Senat von Bolivien, in dem die MAS mindestens 24 von 36 Sitzen bekam. Dadurch kontrolliert Evo Morales das Zwei-Kammer-Parlament. Die Zustimmung für den Präsidenten wuchs sogar um das Wirtschaftszentrum Santa Cruz, das ihm vormals feindselig gegenüberstand. Auch die reichen Großgrundbesitzer erkennen inzwischen die politischen Leistungen von Evo Morales an.
Nach seiner Wiederwahl kann Evo Morales den Umbau von Bolivien mit erweiterten Rechten für die indianische Mehrheit der Bevölkerung fortsetzen. Bei seiner Stimmabgabe in Chapare sagte er: „Bolivien beginne wiedergeboren zu werden.“ Später versprach Evo Morales im Regierungssitz La Paz: „Dass wir zwei Drittel der Abgeordneten und Senatoren bekommen haben, das verpflichtet uns, das verpflichtet mich, Schwestern und Brüder, den Prozess des Wandels zu beschleunigen.“
Seine Popularität in Bolivien verdankt Evo Morales nicht zuletzt dem Einsatz für früher Ausgeschlossene der Gesellschaft. Alte Menschen, Bedürftige, Schüler, Schwangere und Familien bekommen monatliche Zuschüsse zum Lebensunterhalt. Das Geld dafür stammt aus den Einkünften der inzwischen teilweise verstaatlichten Bodenschätze wie Erdgas. Allerdings leidet immer noch die Mehrheit der Bevölkerung in Bolivien unter drückender Armut.