Russische Ingenieure haben damit begonnen, in Französisch-Guayana eine Abschussrampe für Sojus-Raketen zu bauen. Etwas außerhalb von Sinnamary, etwa 15 Kilometer vom Ortszentrum entfernt, haben die Bauarbeiten begonnen. Im Auftrag der europäischen Raumfahrtagentur ESA soll von hier aus die Sojus in den Weltraum starten. Denn verglichen mit Baikonur, wo die Sojus-Rakete etwa eintausendsiebenhundert Mal gestartet ist, hat Sinnamary viele Vorteile.

Die Kleinstadt Sinnamary in Französisch-Guayana liegt nur wenige Breitengrade nördlich des Äquators und damit deutlich weiter von der Erdachse entfernt als Kasachstan. Während sich die Startrampe in Baikonur mit einer Geschwindigkeit von 1.100 Kilometer pro Stunde bewegt, ist die in Sinnamary aufgrund der Erdrotation rund 500 Kilometer schneller. Durch die Geschwindigkeitsdifferenz kann die Sojus in Französisch-Guayana bei gleicher Leistung mehr Gewicht ins All befördern. In Kasachstan muss die Rakete zudem nach dem Start im Leistung hemmenden Zickzackkurs fliegen, um bewohnten Dörfern auszuweichen. In Französisch-Guayana werden die Inseln vor der Küste bei den Starts der Sojus ganz einfach evakuiert.

Durch diese Vorzüge kann die Sojus-Rakete von Sinnamary aus rund 3 Tonnen Material in den Weltraum transportieren, während es von Baikonur nur etwa 1,7 Tonnen waren. Die ESA plant, mit der Sojus die Trabanten des europäischen Navigationssystems in die Umlaufbahn zu bringen. Das Startgelände der Ariane 5 befindet sich nur zwölf Kilometer von der Abschussrampe der Russen entfernt. Während die Europäer in Kourou leben, einer Kleinstadt mit rund 20.000 Einwohnern, die von der Raumfahrt lebt, haben sich die Russen in Sinnamary eingerichtet.

In Französisch-Guayana errichten die 250 russischen Techniker und Ingenieure an der Startrampe einen 52 Meter hohen mobilen Turm, der die Rakete vor Wind und Unwetter schützen soll. Außerdem kann man vom Turm aus an der Spitze der Sojus an den Satelliten arbeiten. Dass ist sehr wichtig, da viele europäische Satelliten nur in aufrechter Position montiert werden können. Von der mehr als 400 Millionen Euro teueren Startrampe, an der sich Deutschland mit rund 15 Millionen Euro beteiligt hat, sollen pro Jahr drei bis vier Sojus-Raketen starten.