Der Unternehmer Sebastián Piñera, der zu den reichsten Männern in Chile zählt, gewann als erster rechtsliberaler Kandidat seit mehr als 50 Jahren die erste Runde der Präsidentschaftswahl. Sebastián Piñera, Besitzer einer Fluggesellschaft, eines Fernsehsenders und eines Fußballvereins, ließ sich am Sonntagabend von seinen Anhängern feiern und sagte zu ihnen: „Das war der Triumph der Chilenen, die einen Wandel wollen.
44 Prozent der Stimmen gewann der Politiker, der der Partei der Nationalen Erneuerung angehört, in der ersten Wahlrunde und muss sich nun am 17. Januar 2010 einer Stichwahl stellen. Dann wird sein Gegner der Christdemokrat Eduardo Frei sein, der von 1994 bis 2000 in Chile regierte. Er ist der Kandidat der Regierungskoalition Concertación. Eduardo Frei erhielt knapp 30 Prozent der abgegebenen Stimmen. Beide bemühten sich sofort nach der Wahl um die Klientel der Linken, vor allem um die Anhänger von Marco Enríquez-Ominami, der in Chile MEO genannt wird.
Sebastián Piñera warb noch gleich in der Wahlnacht offen um Marco Enríquez-Ominami, der aus der Concertación ausgetreten war, weil ihm die Ernennung des Kandidaten Frei missfiel. Der Milliardär sagte: „Wir teilen mit Marco und all seinen Anhängern gern die Diagnose, dass die Concertación erschöpft ist von Korruption und Inkompetenz.“ Bereits ein Teil dieser Stimmen würde dem rechtsliberalen Politiker reichen, um mit deren Hilfe zum Präsidenten von Chile gewählt zu werden. Sebastián Piñera widmete seinen Sieg den Armen, den Bedürftigen und der Mittelklasse.
Sein Gegner Eduardo Frei bemüht sich die Anhänger von MEO vor dem Milliardär zu warnen. Er verkündete: „Chile hält keine Regierung aus, die eine solche Macht von Wirtschaft, Medien und Politik konzentriert.“ Er machte auch deutlich, dass sich Sebastián Piñera nicht für die Verbrechen des Diktators Pinochets interessiere. Ein Bruder von Piñera war dessen Arbeitsminister. Eduardo Frei sagte außerdem, er wolle alle einladen, die im ersten Wahlgang für Enríquez-Ominami und den Linken Jorge Arrate gestimmt hatten.