Es kommt äußerst selten vor, dass das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA)einem Künstler, der noch nicht das fünfzigste Lebensjahr vollendet hat, eine größere Ausstellung widmet. Jetzt wird diese Ehre dem 47-jährigen, in Mexiko geborenen Künstler Gabriel Orozco zuteil. Was die Kunst von Orozco auszeichnet, ist schwer zu definieren. Denn er malt, er zeichnet, fertigt Skulpturen und Installationen an und fotografiert – viele seine Werke haben den Charakter eines Happenings oder einer Performance.
Gabriel Orozco stellt schon zum zweiten Mal im MoMA aus. Das erste Mal durfte er 1993 den Experimentierraum des Museums gestalten. Doch der Künstler überredete die Aussteller, ihm Schauplätze zwischen und inmitten der anderen Galerien zu überlassen. Seine erfolgreichste Arbeit war damals in den Fenstern der Apartments gegenüber dem MoMA zu sehen. Er bat die Bewohner frisch gelieferte Orangen dorthin zu legen, die dort orangefarben den Besuchern des Museums entgegenleuchteten.
Gabriel Orozcos beste Kunstwerke entstehen immer in dieser spielerischen Auseinandersetzung mit der Welt. Er legt beispielsweise grüne Katzenfutterdosen auf grüne Melonen oder eine Klorolle auf einen Deckenventilator. Seit einigen Jahren beschäftigt sich der mexikanische Künstler auch mit abstrakteren Formen: Auf einem großen Tisch inmitten der Ausstellung im MoMA hat Gabriel Orozco Blätter, Muscheln, Knochen und trockene Kaktusstümpfe zu einem bizarren Arrangement zusammengefügt.
Der ehemalige Nomade aus Mexiko, der früher nie in einem Atelier arbeiten wollte, besitzt mittlerweile ein 8,8 Millionen Dollar teures Townhouse im West Village. Die spannendsten Kunstwerke von Gabriel Orozco stammen aus den neunziger Jahren des vergangen Jahrhunderts. Bei den aktuellen Arbeiten ist leider ein Hang zu Betulichkeit unübersehbar, so wie bei seinem Werk „Eyes under Elephant Foot“. Bei dem Werk, das 2009 entstand, handelt es sich um einen Baumstamm, in den Orozco viele kleine Glasaugen eingesetzt hat.
Die Ausstellung im Museum of Modern Art in New York ist noch bis zum 1. März 2010 zu sehnen. Anschließend wird die Werkschau in Basel, Paris und London zu besichtigen sein. Der Katalog kostet 55 Dollar.