In Argentinien hoffen die Opfer der Militärdiktatur auf Gerechtigkeit. Endlich stehen die Mitglieder einer staatlichen Killereinheit vor Gericht. Viele Morde geschahen in der Marineschule „Esma“, in der zwischen den Jahren 1976 und 1983 etwa 5.000 meist junge Menschen verschwanden. Für das Regime waren sie unliebsame Kommunisten, Untergrundkämpfer oder einfach auf die eine oder andere Art verdächtig. Nur 100 Häftlinge überlebten die Torturen.

Heute ist das weiße Gebäude ein Museum des Schreckens und Grauens. Einige Folterknechte stehen nun endlich nach 30 Jahren vor Gericht – der blonde Engel des Todes gehört auch dazu. Als „Ángel Rubio de la Muerte“ wurde Alfredo Astiz zu einer Symbolfigur für die Grausamkeiten und Unmenschlichkeit der Diktatur in Argentinien. Er war Mitglied der so genannten Arbeitsgruppe 3.3.2 der Esma, das von der Zeitung Clarín als argentinisches Auschwitz bezeichnet wird.

Zusammen mit weiteren 18 Mitgliedern der Armee steht Alfredo Astiz seit vergangenem Freitag vor Gericht. Die Anklage lautet auf Mord, Folter sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Im konkreten Fall geht es um den Tod von 85 Menschen, darunter zwei französischen Nonnen – viele wurden nach den erlittenen Qualen im Esma betäubt und aus Flugzeugen in den Rio de la Plata geworfen.

Der blonde Engel des Todes war später auch im Krieg um die Falklands aktiv und ist noch immer stolz aus seine grausamen Taten. In einem Interview aus dem Jahre 1998 sagte er: „Die Marine hat mir beigebracht zu zerstören, mich zu infiltrieren, eine Organisation auseinander zunehmen. Ich kann töten, ich bin brutal.“ In Argentinien konnte lange Zeit wegen eines Amnestiegesetzes nicht gegen die Schlächter vorgegangen werden, das erst 2005 aufgehoben wurde. Insgesamt sollen sich jetzt 358 Beschuldigte vor Gericht verantworten, die bis zu 30.000 Opfer auf dem Gewissen haben. Im Prozess gegen Alfredo Astiz fordert die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft.