Die „Route der Unabhängigkeit führt an die Schauplätze des Befreiungskampfes von 1810 und erzählt viel über die schwierige Geburt Mexikos. 2010 feiert das lateinamerikanische Land den Beginn seines Unabhängigkeitskrieges gegen Spanien vor 200 Jahren. Am 15. September des kommenden Jahres wird der Präsident zum 200. Mal „El Grito“, den Unabhängigkeitsruf, anstimmen.

Die Schauplätze, an denen die Idee von Mexiko entstand heißen Querétaro, Atotonilco, San Miguel de Allende, Guanajuato und Bernal. Sie sind die Stationen der „Ruta de Independencia“. Diese Städte liegen in der Region Bajío, dem Kernland von Mexiko, dass mitten in der Sierra Madre liegt. Einer der bedeutendsten Mexikaner, der in einer der Städte der Unabhängigkeitsroute geboren wurde, war der Künstler Diego Rivera, der im Nationalpalast von Mexiko-Stadt die Geschichte von Mexiko mit grellen Farben und naiven Formen an die Wände malte. Er stammte aus der vielleicht schönsten Stadt der „Ruta de Independencia“ Guanajuato.

Der Ort liegt in einem Tal im Zentrum der Sierra Rosa. Bunte Häuser ziehen sich an den Hügeln hoch, in denen die Spanier nach Silber suchten. Der ehemalige Reichtum der Stadt ist noch immer an den aristokratischen Häuserfassaden in der Mitte der Stadt zu erkennen. Jedes Jahr gibt es in Guanajuato ein Kulturfest, das eine Art Versöhnung mit dem Erbe der Urväter ausdrücken soll. Die Bürger der Stadt feiern das „Cervantino“ zu Ehren des spanischen Dichters Manuel Cervantes. Bei dem Fest ziehen Sänger in mittelalterlicher spanischer Verkleidung durch die Straßen und singen mexikanische Boleros.

Guanajuato hat auch einen Helden der Unabhängigkeit, einen Bergmann, der „Pipila“ genannt wurde. Er zündete 1810, geschützt durch eine Steinplatte, einen Getreidespeicher an, in dem sich die spanischen Eroberer verschanzt hatten. Dieser Erfolg stellte sich allerdings als Pyrrhus-Sieg heraus, da Pipila starb, wie alle Helden des ersten Aufstands. Ihre abgeschlagenen Köpfe wurden an der Fassade des Getreidespeichers von Guanajuato aufgehängt.