1936 startet Herbert Rittlinger nach Südamerika, um den größten und längsten Fluss der Erde, den Amazonas, von der Quelle bis zur Mündung zu befahren und zwar in einem 65 Zentimeter breiten Boot aus Holz und Stoff. Als Erster und 34 Jahre lang als Einziger kehrte er lebend aus dem Amazonasgebiet zurück. Vier von sechs Wagemutigen, die dem Abenteurer nacheifern, kommen in den Stromschnellen des Maranon um, wie der Oberlauf des Amazonas genannt wird.

Herbert Rittlinger beschrieb seine abenteuerliche Fahr auf dem Fluss in drei Büchern, wovon „Ganz allein zum Amazonas“ sein erfolgreichstes werden sollte. Der Abenteurer und Erfolgsautor, der am 26. Dezember 2009 seinen hundertsten Geburtstag gefeiert hätte, hielt das Schreiben von Büchern für wichtiger und schwieriger als seine gefährlichsten Expeditionen. In einem Rückblick auf sein Leben notierte er: „Denn indem ein Erlebnis Sprache wird, wird es ja erst eigentlich gebannt und wieder erschlossen. Vor allem wollte ich damit ein bestimmtes Lebensgefühl ausdrücken – das zuletzt doch viele Gleichgesinnte anspricht.“

Herbert Rittlinger nur als Reiseschriftsteller zu betrachten, würde zu kurz greifen. Er war Entdecker, Kriegsberichterstatter, Geheimdienstler, Journalist, leidenschaftlicher Fotograf und Familienvater. Da er viel Humor hatte, stellt er sich manchmal wie folgt vor: „Eher klein als mittelgroß zu nennen, bin ich wie jeder echte Bergsteiger und Seefahrer in der berühmten Seestadt Leipzig geboren.“

Seine letzte große Reise führt Herbert Rittlinger, zusammen mit seiner Frau Marianne, im Jahr 1957 nach Mexiko, ins „Land der Lacandonen“, zu einem bis dahin unbekannten Stamm der Mayas. Außerdem besucht er die Seri-Indianer auf den Tiburon-Inseln. Die Natur in ihrem unverfälschten Zustand zu erleben, dies war es was den Abenteurer auf allen seinen Reisen antrieb. Auf vielen seiner Fahrten war allerdings auch die Angst ein ständiger Begleiter wie er einmal nicht ganz ernst gemeint sagte: „Daher habe ich mich zeit meines Lebens mit viel Phantasie bemüht, Abenteuern aus dem Weg zu gehen.“ Es ist ihm nicht gelungen.