Für die Ureinwohner der feuchtheißen, kleinen Mangroveninsel La Tolita war das Weltall ein gigantischer, in einem endlosen Ozean schwimmender Kaiman, der je nach Verlangen in der Gestalt einer Harpyie oder eines Himmelskrokodils erscheinen konnte. Diese beiden übermenschlichen Gestalten kommunizierten über den Jaguar mit den Menschen. Die irdische Schlange symbolisierte die Fruchtbarkeit der Frauen, der Jaguar war ein Symbol für das Feuer, den Ursprung aller Dinge und für die übernatürlichen Kräfte mit all ihren sexuellen Energien.
Die Bewohner der Insel liebten Maskenrituale, für die Schamanen verantwortlich waren, die sich unter dem Einfluss von Drogen in ein anderes Universum versetzten, um auf dem Rücken eines Krokodils durch das Weltall zu fliegen. Die Masken waren sehr wertvoll. Unter anderem schmückten sie goldene Nasenringe und Ohrenteller. Es waren vor allem die Frauen auf La Tolita, die feinste Keramikfiguren herstellten. Die Eingänge der Häuser schmückten Affen, Leguane, Adler, Raubkatzen und viele andere Tiere.
Der persönliche Schmuck bestand aus reinem Gold oder war mit Platin veredelt – auch Silber- und Kupferschmuck war weit verbreitet. Für die Ureinwohner der Insel hatte das angeschwemmte Gold aus den Flüssen Río Santiago und Río Cayapas keinerlei materiellen Wert. Das Edelmetall diente allein spirituellen Riten, das sich außerdem noch sehr gut verarbeiten ließ. Die Einheimischen waren nicht auf Geld erpicht, da sie die Natur mit allem im Überfluss versorgte, was sie benötigten.
Etwa 400 Jahre nach dem Auftauchen dieser Kultur, die aus Künstlern und Seefahrern bestand, wurde La Tolita von einem gewaltigen Tsunami verschluckt. Ihre Blütezeit erlebte die Insel von 90 vor Christus bis 270 nach Christus. Unter den unzähligen Schätzen, die von Plünderern ins Ausland gebracht wurden zählen unter anderem ein Goldei mit einem riesigen Smaragd in seinem Inneren sowie ein goldener Brustkorbschmuck, der mit Fledermäusen und Kaimanen verziert war.