Häufig sind räumliche Barrieren wie Gewässer, Berge oder Wüsten mit im Spiel, wenn neue Arten entstehen. Artgenossen können sich allerdings auch auseinander leben, wenn sie quasi Nachbarn sind. Doch wissenschaftliche Belege dafür sind rar. Umso beeindruckender sind Fälle von Evolution innerhalb einer ökologischen Nische, die Wissenschaftler um Axel Meyer von der Universität Konstanz bei Buntbarschen in Nicaragua entdeckten.

Wie die Forscher in der Fachzeitschrift „Evolution“ berichtet haben, leben die fraglichen Fische in einem kleinen See in Nicaragua auf engstem Raum zusammen. Dass sie sich dennoch entfremden, scheint mit besonderen Vorlieben bei der Wahl des Partners zusammenzuhängen. Die Konstanzer Zoologen forschen deswegen so gern in Nicaragua, weil sich dort die Buntbarsche in einigen mit Wasser gefüllten Vulkankratern in einer erfreulich übersichtlichen Artenvielfalt präsentieren.

In einem der kleinen Kraterseen in Nicaragua leben nur zwei Arten von Buntbarschen. Die eine Art von eher plumper Figur, hält sich gewöhnlich in Bodennähe auf und frisst Algen. Die andere schlankere Form, schwimmt lieber in der Nähe der Wasseroberfläche und ernährt sich von Insekten und Plankton. Wie genetische Analysen beweisen, habe sich die beiden Arten erst in dem Kratersee getrennt – und das im D-Zug-Tempo. Seit die Barscheier von Vögeln in den See eingeschleppt wurden, sind erst rund 20.000 Jahre vergangen.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Evolution bei diesen Barschen durch genetische Varianten in Gang kam, die für eine veränderte Lebensweise bestens ausgestattet waren. Die Fischpopulation spaltete sich dann in zwei Arten auf, obwohl die Vertreter der beiden Entwicklungslinien weiterhin auf engstem Raum zusammenlebten.

Einen ähnlichen Fall haben Kathryn Elmer und Topi Lehtonen im Xiloá-See in Nicaragua studiert. Da dieser Vulkankrater erst rund 6.000 Jahre mit Wasser gefüllt ist, verlief hier die Evolution noch schneller. In dem See leben drei verschiede Buntbarsche, von denen zwei jeweils in zwei Farbvarianten vorkommen. Das ist typisch für die Gruppe der Midas-Buntbarsche. Die Mehrzahl dieser Fische bleibt ihr Leben lang schwärzlich und grau gefärbt. Doch ein gewisser Prozentsatz färbt sich im reifen Alter in ein strahlendes Goldgelb.

Wenn die Buntbarsche im Xiloá-See in Nicaragua einen Partner aussuchen, gesellt sich gern Gleich zu Gleich. Dennoch erstaunt es die Wissenschaftler, wie weit sich schwarzgraue und goldgelbe Buntbarsche bereits auseinander gelebt haben. Genetisch unterscheiden sie sich inzwischen ähnlich stark, wie sonst nur nahe verwandte Arten.