Vor mehr als einem halben Jahr haben honduranische Soldaten den rechtmäßigen Präsidenten von Honduras, Manuel Zelaya, nach Costa Rica entführt. Seit der Verschleppung vom 28. Juni 2009 hat in dem mittelamerikanischen Land Roberto Micheletti die Regierungsgeschäfte übernommen. Am 27. Januar wird er von dem kürzlich gewählten konservativen Politiker Porfirio Lobo abgelöst.
Den Auftrag zur Absetzung des gewählten Präsidenten Zelaya gab damals der Oberste Gerichtshof von Honduras, die Richter warfen ihm Hochverrat und den Bruch der Verfassung vor. Völlig überraschend fordert nun neuerdings die Staatsanwaltschaft die Festnahme der ranghöchsten Militärs des Landes. Plötzlich beschuldigt die Justiz die Führung der Armee unter General Romeo Vásquez des Amtsmissbrauchs. Es wird behauptet, dass die Ausweisung Manuel Zelayas eine Straftat gewesen ist, weil die Verfassung keine Ausweisung von Staatsbürgern vorsieht.
Über die Haftbefehle gegen die Militärspitze und deren Gefolgsleute entscheidet in den kommenden Tagen jener Oberste Gerichtshof, der sich für die Amtsenthebung von Manuel Zelaya aussprach und dem internationalen Druck für seine Wiedereinsetzung standhielt. Die Armeespitze behauptet inzwischen, sie seinen Männer des Gesetzes. Schon am Montag nächster Woche will das Parlament über eine Amnestie für die Militärs beraten.
Der entmachtete Ex-Präsident Manuel Zelaya hält diese Vorgehensweise für ein zweifelhaftes Manöver, mit dem versucht werden solle, die wahren Verantwortlichen des Putsches vor Strafen zu bewahren und einen Mantel über die Wahrheit zu werfen. Seiner Meinung nach sei die Staatsanwaltschaft an dem Staatsstreich genauso schuldig gewesen wie das Militär.
Die Vereinigten Staaten von Amerika erkennen zwar den Wahlsieger Porfirio Lobo an, nicht aber Roberto Micheletti. Sie fordern den Führer der Putschisten auf, noch vor der Machtübergabe am 27. Januar zurückzutreten. Falls Micheletti schon vor dem 15. Januar zurücktritt, bieten die USA an, Honduras mit millionenschweren Finanzhilfen zu unterstützen. Micheletti will allerdings bis jetzt nichts von einem Rücktritt wissen. Brasilien und mehrere Länder der EU haben sich noch nicht entschieden, ob sie Porfirio Lobo als neuen Präsidenten von Honduras anerkennen werden.