Französisch-Guayana ist etwa so groß wie Portugal oder ein französisches Departement wie die Bretagne. Doch es gibt einen gewaltigen Unterschied – die Hauptstadt des französischen Überseedepartements, Cayenne, ist rund 8.000 Kilometer von Paris entfernt. Dass Französisch-Guayana zu Frankreich gehört, zeigt sich an den hohen Subventionen aus dem Mutterland sowie dem guten Empfang des Radiosenders France Inter.

Wer als Tourist nach Französisch-Guayana reist, sollte wissen, dass dort die französischen Gesetze gelten. Auf den Straßen patrouillieren französische Polizisten, beim Bäcker gibt es französische Baguettes. Der Mehrheit der Bevölkerung südamerikanischen Landes stellen die Kreolen, daneben gibt es Chinesen, die den Einzelhandel dominieren. Ein großes Problem, mit dem Französisch-Guayana zurzeit zu kämpfen hat, sind die illegalen Goldgräber aus Brasilien, die in die Stammesgebiete der Indios an den großen Flüssen nach Gold schürfen.

Nun drohen auch noch wegen der kritischen wirtschaftlichen Lage in Frankreich die Subventionen für Französisch-Guayana gekürzt zu werden. Deswegen meinen viele Einheimische, mehr Autonomie täte dem Land gut. Sie sagen, die Gesetze Frankreichs passten nicht mehr zur Realität an Ort und Stelle. Vor einer Woche stimmte das Volk über eine Statusänderung über mehr Autonomie ab. Geplant war, den Conseil Régional und den Conseil Départemental in eine Assemblée unique zusammenzufassen, die größere Entscheidungsbefugnisse hätte, als beide Organe zusammen es haben.

Antoine Karam, Präsident des Conseil Régional sagte: „Wir wollen bei der Urbanisierung mitreden, bei Landrechten, Bodenschätzen und Bildung. Wir verleihen Frankreich seine globale Dimension. Wir wollen künftig selbst Investoren suchen, um unsere Bodenschätze abzubauen, damit wir bei unserer Entwicklung nicht Zuschauer bleiben.“

Beim illegalen Goldabbau, der stark zunimmt, sind die Guayaner bereits Zuschauer wie es scheint. 10.000 vor allem brasilianische Goldsucher sollen jährlich in Französisch-Guayana etwa zehn Tonnen Gold abbauen und dabei mit rund fünf Tonnen Quecksilber die Flüsse verseuchen. Im vergangenen Jahr gingen noch französische Gendarmen und Militär gegen die Illegalen vor, doch seit Oktober wurden die Maßnahmen wegen der Wirtschaftskrise drastisch zurückgefahren.

P.S. In Französisch-Guayana stimmten 70 Prozent der Wahlberechtigten gegen mehr Selbstständigkeit.