Alberto Acosta ist nicht nur Vorsitzender der verfassungsgebenden Versammlung in Ecuador, sondern hat in seinem Land auch noch eine neue Wertedebatte in den politischen Prozess eingebracht. Er hat damit Ecuador zum Vorreiter gemacht, was die Achtung der Ökologie und der Weltsicht der Ureinwohner des lateinamerikanischen Landes betrifft. Außerdem gehört er zu den Initiatoren der Yasuní-Initiative, die dem Erhalt des Urwaldes den Vorrang gegenüber der Ausbeutung der Erdölvorkommen einräumt.

Für den ecuadorianischen Wirtschaftswissenschaftler und Politiker Alberto Acosta bedeutet ein gutes Leben, den Materialismus nicht auf den Thron zu heben, sondern die Umwelt zu erhalten und in einer solidarischen Gemeinschaft glücklich zu werden. Alberto Acosta stellt fest: „Ohne ein grundsätzliches Umdenken laufen arme und reiche Länder gleichermaßen auf einen kollektiven Selbstmord zu.“ Durch seine Thesen, die er auch in seinem neuen Buch „Der Fluch des Überflusses“ vertritt ist er nicht nur in Ecuador, sondern in der Lateinamerika zu einem der führenden Kritiker des gängigen Wirtschaftsbegriffes geworden.

Alberto Acosta vertritt unter anderem die These, dass die Abhängigkeit von Bodenschätzen das Kernproblem vieler armer Länder ist. Er hat dafür den Begriff des „Extraktivismus“ in die politische und ökonomische Wissenschaftsdebatte eingeführt. Seine Kernthese lautet: Lateinamerika ist so arm, weil es so reich ist. Außer Norwegen gibt es kein Öl förderndes Land, das in der Lage war, stabilen Wohlstand mit produzierender Industrie und intellektuellen Eliten zu schaffen. Alberto Acosta stellt fest, dass es die Bodenschätze einigen Wenigen zu leicht machen, sich auf Kosten der Mehrheit zu bereichern.

Außerdem halten sich autoritäre Regierungen mit dem Öl an der Macht, die nicht in die Entwicklung des Landes investieren und darüber hinaus noch die Natur zerstören. Der Wirtschaftswissenschaftler aus Ecuador ist auch ein Anhänger einer der ältesten Wirtschaftsregeln der Welt und stellt klar: „Damit einige wenige besser leben können, müssen Millionen schlechter leben.“ Eine Welt in der einer verdient und ein anderer bezahlen muss, ist nicht lebenswert.