Der konservative chilenische Politiker Sebastián Piñera hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Chile für sich entschieden. Erstmals seit dem Ende der Pinochet-Diktatur vor zwei Jahrzehnten und mehr als 50 Jahre nach ihrem letzten Wahlsieg haben die Konservativen das höchste Staatsamt eingenommen. Der 60 Jahre alte Unternehmer erhielt 51,87 Prozent der Stimmen. Sein Gegenkandidat Eduardo Frei, den das Mitte-Links-Bündnis „Concertación“ ins Rennen um das Präsidentenamt geschickt hatte, erhielt 48,12 Prozent.
Damit beendete die Bevölkerung von Chile die Regierungsverantwortung der Concertación, die 20 Jahre angedauert hatte. Sebastián Piñera kündigte vor Zehntausenden seiner begeisterten Anhänger an, dass er eine Politik der nationalen Einheit anstrebe und die Mittel- und Unterschicht in Chile stärken wolle. Sebastián Piñera hatte für das Wahlbündnis „Allianz für den Wechsel“ kandidiert, das sich aus seiner Partei der „Nationalen Erneuerung“ (RN), „Der Unabhängigen Demokratischen Union“ (UDI) sowie einigen kleineren Parteien zusammensetzt.
Der siegreiche Sebastián Piñera muss sich nun erst einmal mit seiner neuen Rolle als Staatsoberhaupt Chiles vertraut machen. Die Chilenen erwarten von dem Milliardär, dass er seine privaten Geschäfte von seinem neuen politischen Amt als Präsident von Chile trennt und dass er sein Versprechen einlöst, nach einer erfolgreichen Wahl seine Beteiligungen an seinen Firmen aufzugeben. Außerdem wird von politischen Beobachtern davon ausgegangen, dass Sebastián Piñera seine Ankündigung wahr macht, eine Regierungsmannschaft aus unverbrauchten Kräften zusammenzustellen.
Das könnte sich durchaus schwierig gestalten. Denn nun wird der Koalitionspartner seiner RN, die „Unabhängige Demokratische Union“ ihren entsprechenden Siegeslohn einfordern, da sie mehr als doppelt so viele Abgeordnete stellt wie die RN. In der UDI sind viele Mitglieder offene Anhänger des früheren Diktators Pinochet. Es könnte sein, dass nun auch solche Politiker ein Ministeramt oder einen anderen lukrativen Posten in der Regierung fordern. Der neue Präsident von Chile, Sebastián Piñera, hat nie eindeutig ausgeschlossen, dass solche Politiker seinem Kabinett angehören könnten.