Die Auseinandersetzung um die argentinischen Geldreserven hat sich ausgeweitet. Die Vereinigten Staaten von Amerika froren vergangene Woche Dollar-Guthaben der argentinischen Zentralbank bei der US-Notenbank Federal Reserve ein. Zwei Investmentfonds, die im Besitz argentinischer Staatsanleihen sind und deren Auszahlung von der argentinischen Regierung verlangen hatten vor Gericht geklagt und Recht bekommen.

Die Tageszeitung Clarin berichtete in Argentinien darüber, dass es sich bei den eingefrorenen Konten laut Wirtschaftsminister Amado Boudou um Reserven der argentinischen Zentralbank in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar handelt. Präsidentin Cristina Kirchner möchte mit den Geldreserven der Zentralbank Schulden im Ausland bezahlen. Bislang galt in Argentinien allerdings die Auffassung, dass die Geldreserven der unabhängigen Zentralbank nicht für den Schuldendienst zur Verfügung stehen.

Der Chef der Zentralbank, Martín Redrado, hatte die argentinische Regierung vor dieser Maßnahme gewarnt und auf mögliche internationale, juristische Auseinandersetzungen hingewiesen. Redrado hat angekündigt, sofort Widerspruch bei US-Justiz wegen der eingefrorenen Konten einzulegen. Der Streit um die Geldreserven nährt neue Zweifel an der Zuverlässigkeit Argentiniens als Schuldner.

Wirtschaftswissenschaftler schätzen, dass Argentinien 2010 zwischen zwei und sieben Milliarden neue Kredite aufnehmen muss, um Forderungen von Gläubigern nachkommen zu können. Inzwischen hat sich auch die argentinische Justiz in den Fall eingeschaltet. Eine Richterin fror die Devisenreserven solange ein, bis das Parlament dazu Stellung bezogen hat. Der Kongress ist allerdings bis Ende März in den Sommerferien. Möglicherweise kommt es aber noch im Januar zu einer Sondersitzung.

Im Jahr 2003 war die Welt für Argentinien noch in Ordnung. Das zweitgrößte südamerikanische Land verbuchte ein Wachstum von 8,7 Prozent, während es im Vorjahr noch 10,9 Prozent Minus gemacht hatte. Der Aufschwung fand allerdings 2008 ein abruptes Ende. Heute ist die Inflation auf über zehn Prozent gestiegen und die Staatsverschuldung beträgt mehr als die Hälfte der jährlichen Wirtschaftsleistung.