Zuerst hat Staatschef Hugo Chávez die heimische Währung in Venezuela drastisch abgewertet und ab sofort müssen die Menschen auch noch vier Stunden am Tag auf Strom verzichten. Das Elektrizitätsunternehmen EDC kann auf Grund akuter Engpässe, die ganztägige Stromversorgung der Bevölkerung nicht mehr aufrechterhalten. Industrieunternehmen müssen ihren Stromverbrauch um 20 Prozent kürzen.

Da die größte Dürre seit 50 Jahren in Venezuela herrscht, ist die Kapazität des Wasserkraftwerks Guri stark beeinträchtigt. Allein Guri stellt 70 Prozent des Stroms für ganz Venezuela bereit. Zuvor hatte die Regierung schon die Landeswährung Bolívar Fuerte um bis zu 50 Prozent abgewertet. Nun fürchten sich die Konsumenten vor einem weiteren Preisanstieg der Waren. Schon im Jahr 2009 war die Inflationsrate in Venezuela mit 29 Prozent die mit Abstand höchste in ganz Lateinamerika.

Das regierungskritische Forschungsinstitut Veneconomía kritisiert die Wirtschaftspolitik der Regierung Chávez. Obwohl Venezuela über die größten Erdöl- und Erdgasvorkommen des amerikanischen Kontinents verfüge, habe die Regierung zuwenig in den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur des Landes investiert. Doch diese Kritik prallt an Chávez folgenlos ab. Stattdessen lässt er in Erwartung sprudelnder Staatseinnahmen vorab schon einmal sieben Milliarden Dollar aus den Reserven der Zentralbank in einen Regierungsfonds überweisen.

Seine Gegner behaupten, der Regierungschef werde damit die Kampagne für die Parlamentswahlen im September finanzieren und die Staatsausgaben in Venezuela weiter ausdehnen. Die Bank Goldman Sachs rechnet damit, dass durch eine solche Maßnahme die Inflation in Venezuela um weitere fünf bis sieben Prozent zulegen werde.

In den vergangenen Jahren hat Chávez neben der alles beherrschenden Ölindustrie immer mehr Sektoren der übrigen Wirtschaft unter die Kontrolle des Staates gebracht. Auf dem Weg in den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ wurden Strom- und Telefonunternehmen, die Zement- und Stahlbranche, Teile der Medien sowie zahlreiche Ländereien in die Obhut des Staates überführt. Auch mehr als 25 Prozent aller Banken in Venezuela sind inzwischen in der Hand des Staates.