Seit über 20 Jahren kämpft Chile damit, den Übergang von einer Diktatur zu einer Demokratie zu verwirklichen. Die Wahl des Präsidenten Sebastián Piñera, aus der Lager der Rechten, der im März offiziell sein Amt übernehmen wird, ist für das südamerikanische Land ein entscheidender Meilenstein dorthin. Denn die Wähler in Chile haben dem neuen Mann an der Spitze ihres Staates sein Bekenntnis zur Demokratie geglaubt. Sebastián Piñera selbst nannte seinen Wahlsieg den Beginn eines zweiten Übergangs.
Damit bestätigte der neue Staatschef, dass der lange Weg Chiles in die Demokratie noch immer nicht ganz zu Ende gegangen worden ist. Dennoch ist in den zwei vergangenen Jahrzehnten viel geschehen – es wurde immer deutlicher mit welcher Raffinesse Pinochet die Verfassung manipulierte, um sich und seinen Anhängern Vorrechte und Einfluss zu erhalten. Zu den größten Taten der seit der Diktatur regierenden Concertación gehört es, diese Gesetzte aus der Verfassung getilgt zu haben.
Eine Hürde, die Chiles Demokratie noch zu bewältigen hat, ist das binominale Wahlsystem, dass die Wahlstrategen Pinochets eingeführt hatten. Es zielte darauf, kleine Parteien wie beispielsweise die kommunistische Partei, nicht ins Parlament einziehen zu lassen und dem Rechten Lager Vorteile bei der Verteilung der Mandate im Kongress zu verschaffen. Durch dieses ungerechte Wahlsystem errang die rechte Allianz, zu der die Parteien „Nationale Erneuerung und „Unabhängige Demokratische Union“ gehören, mit einem Drittel der Stimmen rund die Hälfte der Sitze im Parlament.
Dem Unternehmer und Politiker Sebastián Piñera ist es als erstem Kandidaten der rechten Parteien in Chile gelungen, Zweifel bei den Wählern zu zerstreuen, dass die beiden Rechtsparteien wieder in diktatorisches Fahrwasser geraten könnten, wenn sie Macht im Land erobern würden. Sebastián Piñera verwies im Wahlkampf immer wieder auf seine kritische Distanz zu Pinochet und seinen Anhängern. Außerdem pries er sich als Garant für die Einhaltung der demokratischen Regeln und die Unabhängigkeit der Gesetzgebung in Chile an. Zudem versprach er, Menschenrechtsverletzungen, die unter der Diktatur Pinochets, begangen wurden, aufzuklären. Diese Versprechen haben ihm die Wähler geglaubt.