Die ausländischen Gläubiger, die Argentinien Geld geliehen haben, wollen nicht länger auf die Rückzahlung warten und attackieren die Präsidentin des südamerikanischen Landes Cristina Fernandez de Kirchner. Das Ziel der Gläubiger ist es, zu erreichen, dass Argentinien seine Währungsreserven nicht länger vor dem Zugriff ausländischer Gerichte sichern kann. In Buenos Aires spitzt sich inzwischen der Machtkampf zwischen der Regierung und dem Chef der Notenbank zu.
Polizisten versperrten dem entlassenen Zentralbankchef Martin Redrado den Weg zu seinem Büro. Dieser hatte sich geweigert, dem Plan Cristina Kirchners zuzustimmen, der vorsah, Devisenreserven der Notenbank in einer Höhe von 6,6 Milliarden Dollar zur Zahlung der Schulden Argentiniens freizugeben. Die Präsidentin wollte sich mit dieser Goodwill-Aktion wieder Zugang zu den internationalen Anleihemärkten verschaffen. Der Chef der Zentralbank befürchtete dagegen, dass dann die ausländischen Gläubiger mit Hilfe von Gerichten die Gelder der Zentralbank auf ausländischen Konten beschlagnahmen könnten.
Robert Shapiro, ehemaliger Staatssekretär im Handelsministerium unter dem amerikanischen Präsidenten Bill Clinton, will nun erreichen, dass Argentinien nicht länger seine Währungsreserven in Höhe von 40 Milliarden Dollar bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel vor dem Zugriff ausländischer Gerichte abschirmen kann. Um sein Vorhaben durchzusetzen, reist Shapiro zurzeit durch die Hauptstädte Europas.
Robert Shapiro prangert das Verhalten von Argentinien ganz offen an: „Das ist ein Missbrauch der internationalen Organisation. Das zu ändern liegt in der Macht von Deutschland, Amerika, Italien und Frankreich.“ Der Unterhändler vertritt die Auffassung, dass Argentinien seine Währungsreserven in Basel auf ein durchschnittliches Niveau senken müsse. Geschehe dies nicht, müsse man mit entsprechenden Gerichtsurteilen auf diese Gelder zugreifen.
Nach den Aussagen Shapiros hat Argentinien inzwischen rund 80 Prozent seiner Währungsreserven in Basel in Sicherheit gebracht. Auch in Deutschland ist der Diplomat auf mit seinem Ansinnen auf offene Ohren gestoßen, da es für den deutschen Fiskus um bedeutende Einnahmeausfälle geht. Wie das Bundesfinanzministerium mitteilte, koste die Einstellung der Zahlungen durch Argentinien Deutschland 1,5 bis 2 Milliarden Dollar.