Es hat vierundneunzig Jahre gedauert, bis die kubanische Künstlerin Carmen Herrera zu einem Star der Malerei wurde. Doch lieber eine späte Entdeckung als gar keine. Jetzt zeigt die Pfalzgalerie in Kaiserslautern die erste deutsche Ausstellung der in New York lebenden Malerin. Die Direktorin Britta Buhlmann hat fünfundzwanzig Werke von Carmen Herrera ausgestellt.

Carmen Herrera arbeitet stets mit einfachen Materialien und ihre Bilder sind von der Vereinfachung geprägt. So ist auch beispielsweise ihr Bild „The City“ von 1948 konzipiert. Die Komposition setzt sich aus Elementen zusammen, die aus einem Architekturkatalog stammen könnten und von der Künstlerin in einem Oval angeordnet wurden. Als Malgrund verwendete Carmen Herrera eine Leinendecke, wie sie die Kutschpferde in Paris trugen.

Auf den ersten Blick erscheinen die Bilder der Malerin aus Kuba immer klar strukturiert wie Landesflaggen – sie sind rund, oval oder rautenförmig. Manchmal treiben die Formen allerdings auch ein neckisches Spiel mit dem Betrachter, indem die geometrisch angelegten Figuren ihre Perspektive verändern, indem sie zuerst flach erscheinen und plötzlich Räumlichkeit annehmen.

Ihre erste große Einzelausstellung hatte kubanische Künstlerin Carmen Herrera 1998 im Museo del Barrio in New York, das sich auf lateinamerikanische Kunst spezialisiert hat. Sieben Jahre später kaufte das Museum of Modern Art eines ihrer Bilder und zeigt es in seiner ständigen Sammlung. Seitdem gehört Carmen Herrera zu den Stars der Kunstszene.

Die kubanische Malerin Carmen Herrera wurde am 31. Mai 1915 in Havanna geboren. Sie wächst in einem Elternhaus auf, in dem sehr viel Wert auf Bildung gelegt wurde. Schon in ganz jungen Jahren erhält sie Zeichenunterricht und wird im Alter von 15 Jahren zu einer Bildungsreise nach Paris geschickt. Sie studiert Architektur in der Hauptstadt von Kuba, Havanna, und zieht 1939 mit ihrem Mann Jesse Loewenthal nach New York.

Hier besucht sie die Art Students League und schließt Freundschaften mit Vertretern des „Abstrakten Expressionismus“. Zu ihrer späten Entdeckung als „the hot new thing in painting“ wie die New York Times kürzlich schrieb, gibt es eine nette Anekdote. Einer ihrer Freunde sagte bei einer Vernissage zu ihr: „Der Bus kommt immer – man muss nur lange genug darauf warten.“ Carmen Herrera antwortete: „Nun, ich habe vierundneunzig Jahre an der Haltestelle gesessen.“