Menschen, die den neuen Präsidenten von Chile, Sebastián Piñera näher kennen, beschreiben ihn als einen Magier der Finanzgeschäfte. Der Milliardär erkennt lukrative Geschäfte, die Konkurrenten nicht sehen. Politische Beobachter des südamerikanischen Landes sind sich einig, dass er zu den ungewöhnlichsten Politikern und Unternehmern des Andenstaates zählt. Chile muss sich ab jetzt auf einen knallharten Geschäftsmann einstellen, dem Effizienz über alles geht.

Sebastián Piñera legte den Grundstein für sein Vermögen während der Ära Pinochets. Nachdem er in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Harvard, studiert hatte, übernahm er als 31-jähriger die Geschäftsführung einer chilenischen Filiale der amerikanischen Citibank, die er mit harter Hand auf Effizienz trimmte. Schon damals fiel auf, dass der charismatische Manager junge und talentierte Helfer an sich binden und deren Fähigkeiten effektiv einsetzen konnte.

Sebastián Piñeras beste Geschäftsidee war, 1987 ein Unternehmen zu gründen, dessen Aufgabe darin bestand Kreditkarten auszugeben, die damals in Chile noch fast unbekannt waren. Inzwischen ist das Unternehmen zur größten Kreditkartenfirma in ganz Lateinamerika herangewachsen. Anfang der neunziger Jahre kaufte Sebastián Piñera Aktien der Fluggesellschaft „Lan“, die heute über eine Milliarde Euro wert sind. Außerdem besitzt er Anteile an einer Klinik, einer Fernsehstation und dem chilenischen Fußballverein „Colo Colo“.

Obwohl sich Sebastián Piñera früh von Pinochets Diktatur in Chile distanziert hatte, ist er dennoch stets ein Politiker der Rechten geblieben. Die Meinungsforscherin Marta Lagos, die Piñera schon sehr lange kennt, fragt sich allerdings, was dieser eigentlich in der Politik verloren habe und behauptet: „Er ist eigentlich kein Politiker, seine Ideologie ist das Abschließen von Geschäften. Einer Partei-Ideologie zu folgen ist für ihn nicht einfach, weil Ideologien ineffizient sind. Er will aber immer effizient sein.“

Der weltberühmte chilenische Schriftsteller Mario Vargas Llosa, der den neuen Präsidenten von Chile ihm Wahlkampf unterstütze, bewundert Sebastián Piñera nicht nur wegen seiner schier unerschöpflichen Energie und Tatkraft. Er bescheinigt ihm auch, ein überzeugter Demokrat und Liberaler und ein Feind jeder Form von Autoritarismus in Chile zu sein.