Am 31. Januar 2010 ist der argentinische Schriftsteller Tomás Eloy Martínez im Alter von 75 Jahren in Buenos Aires an Lungenkrebs gestorben. Literaturkritiker behaupteten, an seiner Person könne man die verschiedenen Tendenzen der lateinamerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts anschaulich machen. Geboren wurde der Literat 1934 in der Provinzstadt Tucumám. Bevor er Schriftsteller wurde, arbeitete er unter anderem als Filmkritiker und politischer Journalist.

In Deutschland wurde der Argentinier vor allem durch seinen halbdokumentarischen Roman „Santa Evita“ den Lesern bekannt. Sein letztes in Deutschland erschienenes Buch „Der Tangosänger“ ist einerseits eine Hommage auf die Hauptstadt von Argentinien, Buenos Aires, und andererseits ein historisch-politischer Roman. Tomás Eloy Martínez war ein Schriftsteller, der wie viele seiner lateinamerikanischen Kollegen das Spiel mit der Realität und der Fiktion liebte.

In einem Interview über seine Roman „Santa Evita“ sagte Tomás Eloy Martínez: „Ich erzähle gerne das Authentische wie einen Roman und das Erfundene, als wäre es wirklich.“ Nach dem Erscheinen des Buchs kam wiederholt die Frage auf, ob die Geschichte über den einbalsamierten Leichnam von Evita Peron denn wahr sei. Tomás Eloy Martínez behauptete, die Geschichte sei eine reine Erfindung. Doch bei einer Leseveranstaltung in Buenos Aires meldete sich plötzlich ein alter Herr, der felsenfest behauptete, bei der Einbalsamierung der Leiche dabei gewesen zu sein.

In seiner Rolle als politischer Journalist beklagte er in den letzten Jahren immer wieder die Zerstörung der lateinamerikanischen Mittelschicht, vor allem in Argentinien und Venezuela. Mit zunehmendem Alter schien er zu resignieren und war sich anscheinend nicht mehr sicher, ob die Politik in Lateinamerika überhaupt noch etwas bewirken könne. Für seinen Roman „Der Flug der Königin“ erhielt Tomás Eloy Martínez in Spanien den Alfaguara-Preis.

Er schildert in diesem Werk den Niedergang des despotischen Nichtsnutz und Staatspräsidenten von Argentinien, Carlos Menem. Dieser wird von einem investigativen Journalisten wegen des Verdachts der Korruption verfolgt und zieht wegen politischer Ausweglosigkeit wunderliche Konsequenzen: er zieht sich in ein Kloster am Rand der argentinischen Pampa zurück, um von dort aus seinem jubelnden Volk vorzugaukeln, dass ihm Jesus erschienen sei.