Seine Mitkämpfer, die den Präsidenten von Venezuela, Hugo Chávez, noch bis vor kurzem dabei geholfen hatten, seine Macht zu stabilisieren, fordern diesen nun ganz offen auf, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Die Kritiker werfen ihm vor, dass er weder die Legitimität noch die Fähigkeit zum Regieren besäße. Unterzeichnet wurde die Rücktrittsforderung unter anderen vom früheren Außenminister Luis Alfonso Dávila und ehemaligen Verteidigungsminister Raúl Baduel.
Die Kritik seiner Freunde trifft Hugo Chávez zum ungünstigsten Zeitpunkt, da sich Venezuela in einer selbst verschuldeten Energiekrise befindet, die einhergeht mit einem Niedergang der Industrieproduktion sowie steigender Inflation. In dem Dokument der neuen Oppositionsgruppe, die sich „Verfassungs-Pol“ nennt, heißt es, dass Hugo Chávez zurücktreten müsse, weil sein Regierungsprojekt personalistisch, autokratisch und totalitär sei.
Vor allem die Armut habe in Venezuela stark zugenommen, seitdem Chávez in Venezuela regiere. Weiter heißt es in dem offenen Brief, dass im öffentlichen Dienst nur noch Chaos herrsche, die Wirtschaft sich in einer ihren schwersten Krisen befinde und die Korruption im Land wie ein Krake um sich gegriffen habe. Die Regierung schaffe es einfach nicht, trotz der gewaltigen Ölreserven, diese Mängel in den Griff zu bekommen.
Weiter heißt es in dem Dokument, dass die Armee und andere staatliche Einrichtungen in Venezuela durch das Eindringen fremder Elemente verformt würden. Diese Kritik ist durchaus berechtigt, da der Präsident immer mehr Fachleute aus Kuba auf wichtige Stellen im Staatsapparat setzt. Chávez lässt sich allerdings von seinen Kritikern nicht so leicht beeindrucken. Er ließ sich zum elften Jahrestag seines ersten Amtsantritts feiern und seine „Vereinigte Sozialistische Partei Venezuelas“, zu Ehren seines vor 18 Jahren gescheiterten Putsches, einen Marsch organisieren.
Dennoch versucht der Präsident von Venezuela alles, um seine Gegner zu schwächen und zum Schweigen zu bringen. Gerade hat er zum zweiten Mal den oppositionellen Fernsehsender RCTV geschlossen. Außerdem sind gegen prominente Politiker der Opposition Gerichtsverfahren wegen angeblicher Korruption eröffnet worden. Daraus folgt, dass sie auf Jahre nicht mehr das Recht haben, für ein politisches Amt zu kandidieren.