Die Osterinsel ist einer der abgelegendsten besiedelten Orte auf der Erde. Sie gehört zwar zum Territorium von Chile, das allerdings rund 3.700 Kilometer oder fünf Flugstunden weiter östlich entfernt liegt. Seit 1975 findet dort das Tapati-Festival statt, ein Spektakel, das sich über zwei Wochen hinzieht und bei dem in den verschiedensten Disziplinen darum gestritten wird, wer der Schönste, Stärkste, Schnellste oder Wagemutigste der Osterinsel ist.
Ein ganz besonderer Wettkampf ist das Grasschlittenrennen, bei dem verwegene Männer mit bis zu 80 Stundenkilometer auf zusammengebundenen Bausstämmen einen holprigen Berghang hinunterschießen. Rapa Nui, wie die Osterinsel bei den Einheimischen genannt wird, ist aber eher für seine Statuen, die Moais bekannt, als für das Abfahrtsrennen auf Bäumen. Die gewaltigen Steinfiguren stehen auf der ganzen Insel verstreut. Forscher haben sie gezählt und 887 von ihnen gefunden.
Auf der Osterinsel, die eine Fläche von 163 Quadratkilometer umfasst, leben etwa 4.000 Menschen und 6.000 Pferde. Um die Insel vor dem Massentourismus zu schützen, dürfen die Verwaltung von Rapa Nui und nicht etwa die Beamten im fernen Chile jede Planung für weitere Hotelbauten auf der Insel prüfen und auch verbieten. Dennoch besuchen inzwischen rund 50.000 Touristen pro Jahr die Osterinsel, die sich seinen Besuchern als ein einmaliges Freiluftmuseum präsentiert.
Wer über die Insel wandert, findet immer wieder verwitterte Steinfiguren, die Grundrisse längst im Raum der Geschichte versunkener Häuser sowie Kochstellen und Terrassen aus runden Steinen, die vom Meer glatt poliert wurden. Trotzdem rätseln die Forscher, in Chile und in aller Welt, noch immer darüber, warum die Zivilisation, die großartige Moais schuf, verschwand. Wahrscheinlich ist, dass das ökologische Gleichgewicht auf der Insel zusammenbrach, als die Menschen immer mehr Wald rodeten.
Die schutzlose Bodenkrume wurde von den peitschenden Winden weggeweht – dieLandwirtschaft war nicht mehr möglich. Inzwischen sind so gut wie alle Bäume auf der Osterinsel Eukalyptuspflanzen, die zwar schnell in die Höhe schießen, aber viel Wasser benötigen. Ob diese Bäume die Erosion dauerhaft aufhalten können, ist fraglich. In diesem Jahr dauert das Tapati-Festival noch bis zum 13. Februar.