Die Staatspräsidentin von Argentinien, Cristina Kirchner, hat die Nachfolge für Martín Redrado bei der argentinischen Zentralbank schnell geregelt. Mercedes Marcó del Pont soll an die Spitze der Notenbank rücken und dort vor allem der argentinischen Regierung dienen. Ob das Drama um die zerrütteten argentinischen Staatsfinanzen und die Verwendung der Devisenreserven zur Zahlung von Staatsschulden damit beendet ist, ist indes noch völlig offen.

Unter der neuen Zentralbankchefin Mercedes Marcó del Pont dürfte laut Wirtschaftsexperten die unabhängige Notenbank von Argentinien de facto ihre Autonomie aufgeben. Schon 2007 hatte die damalige Parlamentsabgeordnete Marcó del Pont eine Gesetzesinitiative für eine Reform der Statuten der Zentralbank eingereicht. Dieser sollte den bisherigen Auftrag der Zentralbank zur Wahrung zur Stabilität des Geldwerts, durch die Verpflichtung zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung ergänzen.

Die argentinische Präsidentin Kirchner hat unterdessen angekündigt, einen Wirtschaftsrat zu bilden, der die Wirtschaftspolitik in Argentinien koordinieren soll und in dem Vertreter des Finanzministeriums und der Zentralbank sitzen sollen. Einige Anzeichen deuten darauf hin, dass der damalige Gesetzentwurf von Mercedes Marcó del Pont nun rasch umgesetzt werden soll. Die designierte Chefin der argentinischen Zentralbank hat Volkswirtschaft in Buenos Aires und Yale studiert. Anhänger sowie Gegner bescheinigen ihre ökonomische Kompetenz.

Mercedes Marcó del Pont wird zur ökonomischen Denkschule der „Desarrollistas“ gerechnet. So nennen sich in Argentinien jene Wirtschaftswissenschaftler, die sich für ein starkes Eingreifen des Staats zur Förderung der Wirtschaft einsetzen. Außerdem befürworten sie einen niedrigen Außenwert der eigenen Währung, um so den Binnenmarkt anzukurbeln und die lokale Industrie vor ausländischer Konkurrenz zu schützen.

Schon zu ihrer Zeit als Parlamentsabgeordnete gehörte Marcó del Pont zu den engsten Wirtschaftsberatern der argentinischen Präsidentin. Schon als sie die Staatsbank Banco Nación leitete, versuchte die Ökonomin, die Wirtschaft durch die Vergabe von subventionierten Krediten an Firmen und Privatpersonen zu stärken. Beobachter der wirtschaftlichen Lage in Argentinien gehen davon aus, dass Marcó del Pont die Devisenreserven der Zentralbank bereitwillig zu Tilgung von Staatsschulden zur Verfügung stellen werde.