Die Politikerin Laura Chinchilla ist die erste Frau im höchsten Staatsamt von Costa Rica. Sie gewann am vergangenen Sonntag die Präsidentschaftswahl in dem mittelamerikanischen Land und wird im März Nachfolgerin von Präsident Óscar Arias. Sie wird die fünfte Präsidentin in Lateinamerika nach Violeta Barrios de Chamorro (1990) in Nicaragua, Mireya Moscosco (1999) in Panama, Michelle Bachelet (2005) in Chile und Cristina Fernández de Kirchner (2007) in Argentinien.
In Costa Rica dürfen die Frauen erst seit 1949, nachdem der Bürgerkrieg beendet war, ihre Wahlstimme abgeben. Die Siegerin der aktuellen Präsidentschaftswahlen in Costa Rica, Laura Chinchilla, sprach überglücklich in der Hauptstadt San José zu ihren begeisterten Anhängern: „Das Volk Costa Ricas hat mir sein wertvollstes Gut gegeben, sein Vertrauen, und ich werde es nicht enttäuschen. Unsere größten Herausforderungen sind Kriminalität, Gewalt und Drogenhandel.“
Die Republik Costa Rica galt in einer unruhigen Region in den vergangen Jahrzehnten als ein Ort der Beschaulichkeit und der Natur. Vielleicht hing das auch damit zusammen, dass das lateinamerikanische Land vor rund sechzig Jahren sein Heer abschaffte. Der bis März amtierende Staatschef Óscar Arias erhielt sogar für seine Vermittlungen bei kriegerischen Auseinandersetzungen seiner Nachbarn den Friedensnobelpreis.
Auch in anderen Bereichen steht Costa Rica im Vergleich zu seinen Nachbarländern nicht schlecht da. Nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung gilt als arm, das Bildungswesen ist gut ausgebaut und die Gesundheitsversorgung funktioniert im Großen und Ganzen. Allerdings gibt es auch Schattenseiten im Land der grandiosen Nationalparks – dem Drogenhandel fielen im Jahr 2009 rund 1.000 Menschen zum Opfer.
Laura Chinchilla verspricht der Bevölkerung eine Attacke auf die Unsicherheit in Costa Rica. Sie gehört wie ihr Vorgänger im Amt zur Partei der Nationalen Befreiung (PLN), die vom politischen linken Flügel in die konservative Mitte gewandert ist. Die neue Präsidentin von Costa Rica hat sich viel vorgenommen. Sie will die Zahl der Polizisten erhöhen, die Korruption im Land bekämpfen, und in den Sektoren Bildung und Forschung investieren.
Wenn es nach Laura Chinchilla geht, wird Costa Rica das erste CO 2-neutrale Land der Welt werden. Deshalb soll vor allem der Ökotourismus gestärkt werden. Die neue Präsidentin will Costa Rica verändern und stellt klar: „Lateinamerika hat traurige Rekorde als ungleichster und gewalttätigster Kontinent. Die große Antwort auf das Thema Gewalt muss mit der Entwicklung zu tun haben.“