Selbst die Ölmilliarden reichen in Venezuela nicht mehr aus, um das südamerikanische Land auf eine vernünftige wirtschaftliche Basis zu stellen. Kritiker des Präsidenten Hugo Chávez bezeichnen die Wirtschaftskrise inzwischen als chronisch. In Inflation war im Jahr 2009 mit 25 Prozent die höchste auf dem ganzen Kontinent. Den Wert der eigenen Währung, des Bolívar, senkte die Regierung gleich doppelt ab – bei Gütern der Grundversorgung kostet ein US-Dollar statt 2,15 jetzt 2,60 für andere Güter sogar 4,30 Bolívares Fuertes.
Durch diese Maßnahme wurde die Unzufriedenheit der Bevölkerung von Venezuela weiter angeheizt, weil nun Waren aus dem Ausland wesentlich teurer exportiert werden müssen als zuvor. Für seine Gegner regiert Hugo Chávez das Land immer autoritärer und militaristischer. Und dennoch bekommt der Präsident die Sicherheitslage in Venezuela nicht in den Griff. Die Hauptstadt, Caracas, zählt schon seit Jahren zu den Städten der Welt, in der die meisten Morde geschehen.
Auch international ist die Regierung von Hugo Chávez schlecht angesehen. Sie gehört laut Transparency International zu den korruptesten in ganz Lateinamerika. Besonders kritisiert wurde der Präsident auch dafür, dass er den rechtslastigen Fernsehsender RCTV auch aus dem Kabelnetz verbannte. Human Right Watch und diverse Journalistenvereinigungen klagte Chávez der Gängelung der Meinungsfreiheit an.
Auf der anderen Seite vergeht kaum ein Tag, an dem der Präsident von Venezuela und Herr über den Sozialismus des 21. Jahrhunderts seinem Volk die neuesten Pläne der Regierung in den Medien präsentiert. Meistens tut er dies in seiner wöchentlichen Radio- und Fernsehsendung „Hallo, Präsident“ oder in seiner Zeitungskolumne „Zeilen des Präsidenten“.
Seit langen elf Jahren regiert Hugo Chávez, seit seinem ersten Wahltriumph im Jahr 1998, in Venezuela. Dem Präsidenten kommt die Zeit eher kurz vor, denn er sagt: „Nur elf Jährchen. Unsere Regierung ist noch ein kleiner Bub, unsere Revolution ist ein kleines Mädchen. In weiteren elf Jahren werde ich 66 Jahre alt sein und wenn ihr und Gott wollt seit 22 Jahren Präsident sein.“