Im Jahr 1999 kaufte der Literaturnobelpreisträger García Márquez die Wochenzeitschrift „Cambio“ für eine Million Dollar. Ein paar bekannte Journalisten beteiligten sich an dem Projekt. Der Journalismus der jungen Redaktion zählte bald zum Besten, nicht nur in Kolumbien, sondern in ganz Lateinamerika. Doch ein miserables Management und ein neuer Verleger haben das Magazin in den Ruin getrieben.

El Tiempo, einer der größten Medienkonzerne in Kolumbien, das Cambio im Jahr 2006 gekauft hatte, hat die Zeitschrift eingestellt. Finanzielle Probleme hätten den Verlag zu diesem radikalen Schritt gezwungen, so die offizielle Begründung in einer Pressekonferenz. Das Geschäftmodell Magazin habe sich überlebt. Der Verlag El Tiempo brauche eine Zeitschrift für eine andere Leserschaft.

Statt eines intellektuellen Politmagazins, soll nun ein Monatsmagazin in Kolumbien erscheinen, dass sich mit den Schwerpunkten Reisen, Sport, Gesundheit und Umwelt beschäftigen soll. Die Medienlandschaft in dem lateinamerikanischen Land ist durch die Schließung von Cambio spürbar ärmer geworden. Es ist immer das gleiche Spiel – entweder folgen die Journalisten brav der jeweiligen Regierung und können in Ruhe ihre Artikel schreiben oder sie bleiben unabhängig und kritisch, wie es Cambio immer war und bringen sich damit in Gefahr.

Erst im vergangen Jahr hatte die politische Wochenzeitschrift Skandale der kolumbianischen Regierung Álvaro Uribes enthüllt. Indem Cambio über Korruption in der Agrarpolitik und die geheime Errichtung amerikanischer Militärbasen in Kolumbien berichtete, erschütterte das Politmagazin den Andenstaat. Mit seiner Berichterstattung hatte sich die Zeitschrift in der Regierungszentral viele Feinde gemacht.

Ein Berater des Präsidenten von Kolumbien, José Obdulio Gaviria, bezeichnete den Chefredakteur von Cambio als Killerbandenboss. Die Chefredaktion geht deshalb davon aus, dass ihr Magazin aus politischen Gründen und nicht wegen finanzieller Probleme eingestellt wurde. Sogar im vergangen Jahr habe die Zeitschrift noch Gewinne erwirtschaftet. Die kolumbianische Stiftung für die Pressefreiheit geht davon aus, die Schließung des Magazins gehe auf eine inzestuöse Beziehung zwischen der politischen Macht und den Medien zurück.