Da die Strukturen des internationalen Rauschgifthandels denen der Prohibition verdächtig ähnlich sind, wird in Teilen Lateinamerikas darüber diskutiert, den Besitz leichter Drogen zu entkriminalisieren. Als Präsident Franklin D. Roosevelt das Alkoholverbot 1933 aufhob, war das Ende der Bosse der Schmugglerbanden besiegelt. Obwohl die amerikanische Regierung Milliarden von Dollar in den Antidrogenkrieg steckt, erhöht sich die Zahl der Konsumenten und Drogentoten ständig.
Besonders schlimm tobt der Drogenkrieg in Mexiko, Brasilien und Guatemala, wo täglich Opfer zu beklagen sind. Aus Südamerika werden pro Jahr Rauschmittel im Wert von etwa 36 Milliarden Dollar in die Vereinigten Staaten von Amerika geschmuggelt. Mitglieder der „Lateinamerikanischen Kommission für Drogen und Demokratie wie Fernando Henrique Cardoso aus Brasilien, Ernesto Zedillo aus Mexiko und César Gavíria empfehlen jetzt einen Strategiewechsel beim Kampf gegen die Drogenmafia.
Die Politiker haben den Vorschlag gemacht, fürs Erste zumindest Marihuana zu entkriminalisieren, um den Preis für das Rauschgift zu senken. Argentinien erlaubt inzwischen schon den Besitz von Cannabis für den privaten Gebrauch. Kritiker der Drogenpolitik in Südamerika behaupten immer wieder, die Armee könne die Drogenmafia nicht besiegen, da sie dafür gar nicht ausgebildet sei. Deswegen haben Bolivien und Venezuela die US-Antidrogenbehörde DEA bereits des Landes verwiesen.
In Ecuador werden inzwischen Kleindealer aus den Gefängnissen entlassen und die US-Basis Manta geschlossen. Auch der peruanische Autor Mario Vargas Llosa beklagt sich über die Ineffizienz der Drogenpolitik in Südamerika: „Die repressive Politik ist teuer und unnütz. Es ist besser das Geld für Aufklärungskampagnen zu nutzen. Verhindert wird dies allerdings von Organisationen und Personen, die von der Repression des Rauschgifts leben.
Sein argentinischer Schriftstellerkollege Eloy Martínez, der vor wenigen Wochen gestorben ist, hinterließ den Argentiniern folgenden Rat: „Der effektivste Kampf gegen den Drogenhandel ist es, das Geschäft zu ruinieren. Und der einzig mögliche Weg dafür ist, den Konsum zu legalisieren.“