Vor zwei Jahren spürten Fahnder des Landeskriminalamts (LKA) 1.030 präkolumbische Kunstwerke in einer Lagerhalle in München auf. Costa Rica stellte den Antrag, den Schatz sicherzustellen. Jetzt lagert der Indioschatz im geschätzten Wert von 100 Millionen Dollar an einem geheimen Ort in der Landeshauptstadt. Die Ermittler hatten die wertvollen Stücke dem Kunsthändler Leonardo Patterson abgenommen. Mehrere lateinamerikanische Länder kämpfen nun um ihr Kulturerbe, bei dem es sich ihrer Meinung nach um die Beute von Grabräubern handelt.

Der Botschafter von Peru José Pérez Sánchez-Cerro ist allerdings enttäuscht vom Münchner Verwaltungsgericht, das die Ansprüche der lateinamerikanischen Länder in Teilen zurückgewiesen hat. Möglicherweise wird dadurch Leonardo Patterson seinen Schatz bald wieder zurückbekommen. Die Edelsteine, Ringe und Vasen stammen unter anderem aus Kolumbien, Panama und Costa Rica. Patterson bestreitet vehement ein Kunsträuber zu sein und schwört, die Kunstgegenstände nur zu vermitteln.

1997 trug Patterson eine Ausstellung mit über 1.000 Kunstwerken aus 3.000 Jahren präkolumbischer Zeit zusammen, die in Spanien präsentiert wurden. Doch Kunstexperten bezweifelten die Echtheit mancher Preziosen. Darauf hin wurde die Sammlung in Santiago de Compostela eingelagert. Doch im April 2008 verschwand der Schatz auf rätselhafte Weise und tauchte im gleichen Monat in München wieder auf. Zu den wertvollsten Kunststücken gehört eine olmekische Steinfigur aus Mexiko, deren Wert auf 6,5 Millionen Dollar geschätzt wird.

Seit der Beschlagnahme des Schatzes durch das LKA streiten sich Bayern, lateinamerikanische Länder und der Kunsthändler Patterson um den präkolumbischen Kunstschatz. So stellten die Vertreter der Länder Kolumbiens, Ecuadors, Perus, Mexikos, Costa Ricas und Guatemalas bei Münchner Verwaltungsgericht einen Eilantrag, um die Besitzverhältnisse der Kunstwerke so schnell wie möglich zu klären. Das Gericht beschied fünf Mal negativ, ein Fall steht noch zur Entscheidung an.

Die lateinamerikanischen Länder sind vor dem bayerischen Gericht gescheitert, weil es äußerst schwierig ist, die Herkunft der jahrtausendealten Kunstwerke im Einzelnen zu beweisen. Inzwischen ist die präkolumbische Kunst auch in ihrer Heimat hoch angesehen. Aber es besteht noch kaum Erfahrung, wie es möglich sein könnte, die geraubten Kunstschätze auf dem Rechtsweg zurückzubekommen, die beispielsweise aus Maya-Tempeln in Guatemala stammen.