Wie in Rio de Janeiro ist der Karneval von Salvador de Bahia ein brodelndes Fest in den Straßen, Bars und Clubs der Stadt, die bis 1763 die Hauptstadt von Brasilien war. In den Faschingstagen entladen sich die Gefühle der Einheimischen hier wie ein Vulkan. Auf den Straßen feiert das Volk die Tanzgruppen. Das Publikum wird von „trios electricos“, infernalischen Musikbands, angeheizt, die auf Lastwagen, auf denen riesige Lautsprecher aufgebaut sind, durch Salvador de Bahia fahren.
Auch in der „schwarzen Seele“ Brasiliens, wie Salvador de Bahia gerne in Brasilien genant wird, gibt es im Karneval die „desfiles“, die Paraden der maskierten Gruppen. Doch hier werden die Umzüge nicht für die Touristen inszeniert. Die Zuschauer und die Akteure der Parade vermischen sich zu einem dichten Gewühl. Die maskierten Hauptdarstellen lassen niemanden unberührt stehen, sondern fordern jeden auf, aktiv mitzufeiern.
Am Aschermittwoch versammeln sich junge Menschen zu einer Abschiedsfeier für den Karneval an den tropischen Stränden des reichen Viertels Vitoria. Sie haben einen Wal aus Papier und Bambusstäben gebastelt, den sie den Wellen der Brandung übergeben. Der symbolische König des Karnevals, „Rei Momo“, hat nun seine Herrschaft über Salvador de Bahia verloren.
Salvador de Bahia liegt im Nordosten von Brasilien, ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates und hat etwa drei Millionen Einwohner. Die Musik und die lebensfrohe Mentalität der Einwohner bestimmen die Kultur der Stadt und weisen auf afrikanische Wurzeln hin. Weißgekleidete Frauen, die Bahianas, verkaufen in der Altstadt Küchel aus Kokos und scharfwürziger Krabbenpaste, die sie in kleinen Garküchen zubereiten.
Besonders sehenswert in Salvador de Bahia ist die Kathedrale mit ihrer vergoldeten Kassettendecke in der Oberstadt. Die Sakristei der Kirche gehört zu einer der schönsten in ganz Brasilien, wenn nicht sogar in ganz Südamerika. Berühmt sind auch die Kirche und das Kloster der Franziskaner. Ein touristisches Highlight der Unterstadt sind die glänzenden Fassaden alter Bank- und Handelspaläste aus dem 19. Jahrhundert. Wer gerne auf der Suche nach etwas Besonderem auf Märkten herumstöbert, muss unbedingt den Mercado Modelo am Hafen besuchen.