Michelle Bachelet ist am Ende ihrer Amtszeit als Katastrophenhelferin unterwegs. Die Präsidentin von Chile reist durch Regionen, die ein Erdbeben von der Stärke 8,5 dem Erdboden gleich gemacht hat. Sie besucht Krankenhäuser und die Angehörigen von Toten. Sie diskutiert mit Politikern, Technikern und Generälen über die Hilfsmaßnahmen, die so rasch wie möglich eingeleitet werden müssen. Sie schaut sich zerstörte Brücken und eingestürzte Häuser an.
In einer Fernsehansprache an das Volk von Chile sagt Michelle Bachelet: „Die Kräfte der Natur haben unsere Heimat hart getroffen und stellen einmal mehr unsere Fähigkeiten auf die Probe, standhaft zu bleiben. Ich rufe alle Chilenen dazu auf, den Autoritäten zu vertrauen und ihren Anweisungen zu folgen.“ Die meisten der 17 Millionen Chilenen haben großes Vertrauen in ihre Präsidentin.
Selten zuvor war ein Staatsoberhaupt in Chile so beliebt. 80 Prozent ihrer Landsleute sind mit ihrer Arbeit zufrieden. Sie wäre sicher wiedergewählt worden, wenn die Verfassung von Chile zwei Amtszeiten hintereinander zulassen würde. Doch da sie nicht mehr antreten konnte, gewann der rechtsliberale Milliardär Sebastián Piñera die Präsidentschaftswahlen und wird Michelle Bachelet am 11. März als Staatschef ablösen.
Unter der Diktatur der Militärjunta Pinochets saßen Michelle Bachelet und ihre Mutter im Gefängnis. Anschließend gingen sie ins Exil, zuerst nach Australien und dann in die DDR. An der Humboldt-Universität in Berlin studierte sie Medizin. Nachdem Michelle Bachelet nach Chile zurückgekehrt war, arbeitete sie als Kinderärztin und machte in der sozialistischen Partei Chiles eine Politkarriere. Ihr Vorgänger als Präsident, Ricardo Lagos, machte sie zur Gesundheitsministerin.
Michelle Bachelet gilt als sehr aufmerksam und bescheiden. Erfolge erzielte sie bei der Sanierung des maroden Sozialsystems in Chile. Sie verbesserte die private Rentenversicherung und setzte sich für ein Museum ein, das an die Militärdiktatur in Chile erinnern soll. Die UN kürte Michelle Bachelet zur Frauenbeauftragten für das gepeinigte Haiti. Nach der Erdbebenkatastrophe in Chile sagte sie: „Gestern sind wir Haiti zu Hilfe geeilt, jetzt spüren wir Solidarität.“