Eines der schwersten Erdbeben in der Geschichte Chiles hat bisher in dem südamerikanischen Land mehrere hundert Tote gefordert und Hunderttausende Menschen obdachlos gemacht. Eineinhalb Millionen Häuser und Wohnung sind zerstört oder schwer beschädigt. Unter den eingestürzten Gebäuden werden noch zahlreiche weitere Opfer vermutet. Chile liegt in einer Region der Welt, in der die meisten Erdbeben stattfinden.
Die fünf stärksten Erdbeben, die Chile in den vergangen 110 Jahren heimsuchten, waren alle stärker als jenes, das im Januar große Teile von Haiti zerstörte. Das aktuelle Erdbeben hatte eine Stärke von 8,8 auf der Richterskala, dessen Epizentrum nahe Cauquenes lag, einer Stadt mit 40.000 Einwohnern, die etwa 400 Kilometer südlich von Santiago liegt. Doch die Erschütterungen waren etwa im Umkreis von 1.000 Kilometer zu spüren.
Sergio Barrientos, einer der führenden Seismologen in Chile, wertete das Beben wie folgt: „Wir sprechen von einem Mega-Erdbeben. So ist der Abschnitt der Verwerfung, an dem sich in Haiti die tektonische Spannung entlud, 30 bis 40 Kilometer lang gewesen, in Chile wackelte es auf 300 Kilometern.“ Dementsprechend sind auch die Verwüstungen enorm. Im Süden von Chile sind ganze Stadtzentren völlig zerstört. Am schwersten betroffen sind die Gebiete an den Flüssen Maule und Biobío.
Der Wiederaufbau der zerstörten Städte in Chile soll allerdings möglichst rasch starten. Sebastián Piñera, der künftige Präsident Chiles sagte in einem Interview: „Die Katastrophe ist ein schwerer Schlag für unsere Infrastruktur. Bedauerlicherweise ist Chile ein Land der Desaster.“ Der Nachfolger von Präsidentin Michelle Bachelet verspricht sofortige Reparaturmaßnahmen.
Die Instandsetzung der zerstörten Häuser, Brücken und Straßen wird Unmengen von Geld verschlingen, die allerdings auch der Bauwirtschaft Chiles zugute kommen werden. Sebastián Piñera will die Opfer des Erdbebens auf keinen Fall im Stich lassen und kündigt schnelle Hilfe an und demonstriert Zuversicht: „Das bedauerliche Erbeben wird unser Programm nicht verändern”.