In Kolumbien hat das Verfassungsgericht einer zweiten Wiederwahl des amtierenden Präsidenten Álvaro Uribe einen Riegel vorgeschoben. Die Richter verboten eine beabsichtige Volksabstimmung, mit der die Anhänger des Präsidenten im Parlament die notwendige Änderung der Verfassung durchsetzen wollten. Der rechtskonservative Politiker Álvaro Uribe kann nun auf keinen Fall im Mai bei den Präsidentschaftswahlen antreten.
Der Präsident von Kolumbien war zunächst von dem Urteil tief betroffen, sagte aber dann: „Ich akzeptiere das Urteil. Mich beseelt die Hoffnung, dass unsere Demokratie voranschreitet, dass sie aber den Kurs nicht verlässt.“ Álvaro Uribe war ein Präsident, der stets den Kurs des harten Durchgreifens vertrat und eng mit den Vereinigten Staaten von Amerika im Kampf gegen die Drogenkriminalität zusammenarbeitete.
Die Sicherheitslage hat sich in Kolumbien seit dem Jahr 2002, als Álvaro Uribe zum ersten Mal zum Präsidenten gewählt wurde, deutlich verbessert. Entführungen und Anschläge sind deutlich zurückgegangen. Reisende können sich inzwischen wesentlich sicherer in dem südamerikanischen Land bewegen. Der Präsident hat die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) in ihre Schranken gewiesen und in entlegene Regionen zurückgedrängt.
Obwohl der Präsident von Kolumbien in der Bevölkerung sehr beliebt ist und mit großer Mehrheit wiedergewählt worden wäre, waren die Richter des Verfassungsgerichts der Meinung, dass eine dritte Amtzeit von Álvaro Uribe die Verfassung verletzen würde. Schon 2006 konnte Uribe nur durch eine Verfassungsänderung eine zweite Amtsperiode antreten. Die Richter wiesen darauf hin, dass es sich damals um eine einmalige Ausnahme gehandelt hätte.
Politische Beobachter Kolumbiens vertreten die Meinung, dass Álvaro Uribe seinen früheren Verteidigungsminister Juan Manuel Santos in die Wahlschlacht um das Präsidentenamt schicken wird. Aus Umfragen geht allerdings deutlich hervor, wie wenig Rückhalt der Kandidat Uribes in der kolumbianischen Bevölkerung hat. Nur rund 30 Prozent der Wähler würden ihm ihre Stimme geben.
Als aussichtsreicher Gegenkandidat gilt der linksliberale Politiker Sergio Fajargo, der früher der Bürgermeister der Drogenhochburg Medellín war. Dort hat er es geschafft, aus der Stadt eine blühende Wirtschaftsmetropole zu machen, in der sich sogar Touristen wieder sicher bewegen können.