Die Fotografin Ann-Christine Wöhrl zeigt zurzeit ihre Uruguay Bilder im Instituto Cervantes in München. Die Ausstellung dauert noch bis zum 26. März 2010. Die Münchner Fotokünstlerin hat die Atmosphäre und die Seele der uruguayischen Hauptstadt Montevideo in Schwarz-Weiß-Bildern eingefangen. Sie zeigt den morbiden Charme der Metropole, die langsam vor sich hinbröckelt.
In Montevideo herrscht kein architektonischer Einheitsstil, sondern es dominiert die Vielfalt. Es gibt hier Paläste aus der Zeit des Art-deco-, Häuser im deutschen Bauhausstil, flache spanische Bauernhütten, Schlösschen, die ebenso gut in England stehen könnten und heruntergekommene Hütten neben Chalets, wie sie sonst nur in den Alpen vorkommen.
Die Künstlerin Ann-Christine Wöhrl hat ihr Handwerk in New York und Paris gelernt. Sie fotografierte für die weltberühmte Fotoagentur Magnum und erhielt im Jahr 2003 den Internationalen Agfa-Preis für jungen Bildjournalismus. Lateinamerika bildet in ihren Fotografien einen bedeutenden Schwerpunkt. Sie porträtierte unter anderem die Frauen von Havanna und Bogotá. Ihre Bilder über Uruguay sind vor etwa zehn Jahren entstanden, haben aber überhaupt nichts von ihrer Wirkung verloren.
In Montevideo scheint manchmal die Zeit stillzustehen. Der frühere Bürgermeister der Hauptstadt von Uruguay, Mariano Arana beschreibt seine Stadt wie folgt: „Die Stadt ist eine einzigartige, unübertragbare, kulturelle Synthese aus unterschiedlichsten Strömungen des Denkens und künstlerischen Schaffens.“ Der Kolumnist Rodolfo M. Fattoruso verherrlicht Montevideo als einen Ort der Erleichterung, die man verspürt, wenn man aus dem Chaos und der Hetzerei in den großen Städten der Welt hierher kommt.
Die Melancholie Uruguays kommt vielleicht daher, dass das Land klein und eng ist und viele Menschen aus Europa dorthin flohen, entweder aus Armut oder weil in der Heimat ihr Leben bedroht war. Der Münchner Filmemacher Peter Lilienthal, der in Montevideo aufgewachsen ist, beschreibt die Stadt als einen Ort der Weltflucht. Auch in den Bildern der Fotografin Ann-Christine Wöhrl spürt der Betrachter, dass die Künstlerin dort Aufnehmendes und Behütendes spürte. Sie sagt: „Ich hatte sofort das Gefühl des Willkommenseins.“