Chinesische Untenehmen investieren Milliarden in Südamerika und bauen dort ihren Einfluss immer mehr aus. Als Handelspartner hat China auf dem Kontinent inzwischen eine so starke Position, dass Kritiker schon von neuen Abhängigkeiten warnen. So hat beispielsweise Chinas staatlicher Ölkonzern CNOOC vor kurzem die Hälfte der Anteile der argentinischen Ölholding Bridas Energy gekauft. Der Preis betrug 3,2 Milliarden Dollar.
Schon im Januar hatte das chinesische Staatsunternehmen ein Förderabkommen im Schwerölgürtel von Venezuela abgeschlossen. Die Chinesen erhalten pro Tag 400.000 Barrel Öl, im Gegenzug zahlen sie in einen Entwicklungsfonds ein, mit dem die Regierung von Venezuela Infrastrukturprojekte fördert.
In Brasilien beteiligt sich China am Offshore-Programm des Ölgiganten Petrobras und erhält dafür zehn Jahre lang 200.000 Barrel Öl pro Tag. In Peru und Chile investieren die Chinesen in den Abbau von Kupfer. José Augusto de Castro vom brasilianischen Außenhandelsverband hat dafür eine plausible Erklärung: „Die Chinesen haben Afrika erobert – jetzt wollen sie stärker in der Rohstoffregion Südamerika Fuß fassen.“
OECD-Chefökonom Javier Santiso missfällt, das Südamerika inzwischen am Tropf von China hängt und warnt: „Die Region ist künftig voll den Winden aus Fernost ausgesetzt.“ Als die chinesische Regierung Anfang Februar den Banken befahl, ihre Kredite einzuschränken, verloren südamerikanische Währungen an Wert und an den Börsen in São Paulo und Santiago de Chile sanken die Kurse an den Börsen.
Der britische Wirtschaftswissenschaftler Rhys Jenkins macht auf ungleiche Rollenverteilung der Wirtschaftsbeziehung zwischen Südamerika und China aufmerksam: „Im Handel mit China wird Südamerika wieder auf die Rolle des Rohstofflieferanten beschränkt – wie vor 200 Jahren.“ Während aufstrebende Länder wie Brasilien und Mexiko ihren Geschäftspartnern in der Vereinigten Staaten von Amerika und Europa vor allem verarbeitete Güter verkaufen, kauft China fast nur Rohstoffe.
Während Öltanker von Südamerika aus Kurs auf China nehmen, fahren in entgegengesetzter Richtung Containerschiffe mit billigen Fernsehern, Motorrädern, Textilien und vielem mehr. Firmenschließungen und Massenentlassungen in Südamerika sind die Folge. Inzwischen scheinen einige südamerikanische Regierungen die Gefahr aus Fernost erkannt zu haben und schotten sich zunehmend gegen China ab.