Bis 1880 hatte Bolivien einen Zugang zum Meer. Den möchte das südamerikanische Land gerne zurückhaben. Doch bis es so weit ist, muss die bolivianische Marine weiter auf dem Titicacasee trainieren. Jedes Jahr am 23. März wird in Bolivien der Tag des Meeres gefeiert. Bei dem Riesenspektakel wird der goldene Sarg des Volkshelden Eduardo Avaroa aus der Kathedrale von La Paz hinausgetragen und auf einen Ehrenplatz gestellt.
Selbst der sozialistische Präsident von Bolivien, Evo Morales, verneigt sich dann vor Eduardo Avaroa, obwohl der der konservativen Armee nicht freundschaftlich verbunden ist. Vor 130 Jahren verlor die bolivianische Marine im Salpeterkrieg eine Schlacht gegen Chile und so den Zugang zum Pazifik. Zur Legende geworden sind die letzten Worte von Eduardo Avaroa vor seinem Tod: „Mich ergeben? Eure Oma soll sich ergeben, carajo.“
Diese Worte bedeuten für die Menschen in Bolivien, dass man niemals aufgeben sollte, auch wenn der Sieg in weiter Ferne scheint. Bis heute hat sich Bolivien nicht damit abgefunden, dass es nach dem Krieg gegen Chile, der von 1879 bis 1880 dauerte, seine Küstengebiete verloren hat. Außerdem musste Bolivien eine Landfläche an Chile abtreten, die etwa der Größe Englands entspricht.
Der Tag des Meeres ist für die Bolivianer auch deshalb so bedeutend, weil sie die Chilenen als Invasoren ansehen. Seit Jahren kämpft Bolivien gegen Chile vor Gericht um die Pazifikküste. Seit 1962 gibt es keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden südamerikanischen Ländern mehr – eine kurze Unterbrechung war die Ausnahme.
Der Tag des Meeres ist ein phantastisches Spektakel. Schulen, Burschenschaften, Sportvereine, evangelische und katholischen Christen, sie alle nehmen an einer stundenlangen Prozession teil, die von fast allen Fernsehsendern Boliviens live übertragen wird. Nach dem offiziellen Teil der Ehrungen nimmt Evo Morales auf der Ehrentribüne platz, neben Kapitänen, Generälen uns seiner gesamten Regierungsmannschaft. Nach sieben Stunden ist die Feier vorbei.