Der weltweit bekannteste Bürger des kleinen lateinamerikanischen Landes El Salvador ist ganz sicher Óscar Arnulfo Romero. Doch im eigenen Land wollte lange Zeit keiner etwas von dem ehemaligen Erzbischof wissen. Doch manchmal siegt die Gerechtigkeit: Präsident Mauricio Funes hat sich an seinem Todestag öffentlich für dessen gewaltsamen Tod entschuldigt. Der Erzbischof von San Salvador war am 24. März 1980 erschossen worden, als er eine Messe feierte.
Den Mord in Auftrag gegeben hatte Major Roberto D`Aubuisson. Er war damals stellvertretender Chef des Geheimdienstes der Armee und gründete zwei Jahre später die Republikanisch Nationalistische Allianz (Arena). Dabei handelte es sich um eine extreme Rechtspartei, die in El Salvador von 1989 bis 2009 ununterbrochen an der Macht war. Der Erzbischof war für die Machthaber ein linkes Ungeziefer, das man zertreten muss.
Einen Tag vor seinem gewaltsamen Tod hatte Óscar Arnulfo Romero die Soldaten der Militärjunta zur Befehlsverweigerung aufgerufen. Das war sein Todesurteil. In Regierungskreisen war der Märtyrerbischof immer eine persona non grata, aber im Volk von El Salvador wurde er als „Heiliger Romero von Amerika“ gepriesen. Óscar Arnulfo Romero war nie, wie es von der Militärregierung immer wieder behauptet wurde, ein Freund der Guerilla. Attentate und Entführungen waren für ihn immer Akte des Terrorismus.
Noch sechs Monate vor seinem Tod hatte der Erzbischof gewisse Sympathien für die Regierung von El Salvador, die sich aus Christdemokraten und Armeeangehörigen zusammensetzte. Sie war im Oktober 1979 durch einen Putsch an die Macht gelangt. Doch diese Koalition brach sehr schnell wieder auseinander. Óscar Arnulfo Romero versuchte vergeblich zwischen den Politikern und der Armee zu vermitteln. Doch er scheiterte.
Sein bekanntestes Zitat stammt aus einer Predigt vom 23. März 1980: „Kein Soldat ist gezwungen, einem Befehl zu gehorchen, der gegen das Gesetz Gottes verstößt. Es sind Brüder aus unserem eigenen Volk, die auf dem Land ihre eigenen Brüder töten. Niemand muss einem unmoralischen Befehl gehorchen. Im Namen Gottes und im Namen dieses leidgeprüften Volkes, dessen Klagen jeden Tag lauter zum Himmel steigen, ersuche ich euch, bitte ich euch, befehle ich euch: Hört auf mit der Repression.“