Die bekannteste linke Abgeordnete in Guatemala, Nineth Montenegro, fürchtet um ihr Leben. Carlos Castresana, Chef der von der UNO nach Guatemala geschickten Internationalen Kommission gegen die Straffreiheit (Cicig), sagte: „Es wird ein Attentat gegen sie vorbereitet, um ihre Arbeit als Parlamentarierin zu beenden.“ Der Gesandte der UNO bot Nineth Montenegro an, ihr bei der Ausreise behilflich zu sein.
Doch die Politikerin, die seit 1996 für die kleine Partei Encuentro por Guatemala im Parlament arbeitet, möchte ihre Heimat nicht verlassen. Die Cicig hat die Aufgabe, der Regierung von Guatemala dabei zu helfen, kriminelle Organisationen im Staatsapparat aufzuspüren und Kriminalfälle zu lösen. Die Anfeindungen gegen Nineth Montenegro könnten damit zusammenhängen, dass sich die Politikerin in ihrer parlamentarischen Arbeit vor allem mit Sandra Torres, der Frau des sozialdemokratischen Präsidenten Àlvaro Colom, auseinandersetzt.
Sandra Torres bekleidet im Parlament den Posten der Ministerin für Soziales. Sie ist Chefin eines Programms, das armen Familien rund 20 Euro pro Monat bezahlt, wenn die Kinder regelmäßig zur Schule gehen und die Stellen der Gesundheitsfürsorge aufsuchen. Das Geld wird an rund 400.000 Familien verteilt und von großen Werbemaßnahmen begleitet, die Sandra Torres zu einer der beliebtesten Politikerin von Guatemala aufbauen sollen.
Nineth Montenegro wollte Vorwürfe der Korruption gegen Sandra Torres und ihr Sozialprogramm aufklären und forderte Einsicht in die Listen mit den Namen der Beschenkten. Die Regierung von Guatemala verweigerte ihr dieses Ansinnen. Erst nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs durfte sie die Akten einsehen.
Laut Präsident Álvaro Colom haben die Drohungen gegen Nineth Montenegro nichts mit deren Auseinandersetzung mit seine Frau zu tun: „Da stecken Mafiosi dahinter, die sich durch die Ermittlungen der Cicig bedroht fühlen.“ Der Mann der mutigen Politikern, der Gewerkschaftsführer Fernando García wurde 1984 von Sicherheitskräften entführt und ist seitdem nicht mehr aufgetaucht. Nach der Verschleppung ihres Mannes gründete Nineth Montenegro die „Gruppe für gegenseitige Hilfe“, eine der wichtigsten Menschenrechtsorganisationen in Guatemala.