Flores, eine halben Kilometer große Insel im Petén-Itzá-See, dient vielen Reisenden, die in Guatemala unterwegs sind, als Ausgangspunkt für eine Tour zur Mayastadt Tikal. Hier lebt auch der deutsche Architekt Dieter Richter, der seit zwölf Jahren Besucher zu den Resten der Mayakultur führt. Seitdem der Reiseführer zum ersten Mal die Mayastätte Tikal besuchte, ist er davon begeistert.
Dieter Richter sagt: „Die Mayaarchitektur ist in vielen Aspekten faszinierend, obwohl bei der Restaurierung häufig nicht alles so läuft, wie es eigentlich sollte.“ Der große Turm der Stätte Palenque in Guatemala habe in seiner jetzigen Form nichts mehr mit seiner ursprünglichen Höhe und Breite zu tun. Anhand von alten Dokumenten kann Dieter Richter die Fehlplanung der amerikanischen Rekonstrukteure beweisen: „Die Zeichnungen und Fotos der ersten Abenteurer zeigen das Observatorium schon in zerstörtem Zustand.“
Dieter Richter kam 1995 als Architekturstudent nach Guatemala, um als Praktikant bei der größten Erschließung von im Dschungel versteckten Mayabauten dabei zu sein. Vor fünf Jahren eröffnete er in Flores das Café Arqueologico Yaxha. In beeindruckenden Diavorträgen bringt Dieter Richter Touristen die Kultur der Mayas näher. Er erzählt ihnen, dass die mit Moos bewachsenen Tempel im Dschungel von Tikal keine Originalbauten sind, sondern Rekonstruktionen. Zur Blütezeit der Maya waren die Tempel mit Stuck überzogen und sowohl innen wie außen farbenprächtig bemalt.
Der deutsche Architekt, der Guatemala als seine neue Heimat auserkoren hat, führt seine Gäste auch zu den Ausgrabungsstätten La Blanca und Yaxha. Momentan gibt es keine Fördermittel mehr aus Deutschland. Die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau fördere Projekte immer nur in einem bestimmten Zeitrahmen.
Die Funde bei La Blanca zeigen für Dieter Richter, dass die Geschichte der Mayas möglicherweise völlig neu geschrieben werden muss: „Bisher ging man davon aus, dass mit dem Untergang der großen Anlagen von Tikal auch die Mayakultur unterging. Das war um das Jahr 900 nach Christus. Vieles deutet darauf hin, dass das rätselhafte Verschwinden der Mayakultur anders verlief als bisher angenommen und die Mayaperiode bis circa 1050 dauerte.“