Der Schriftsteller und Journalist Jaime Bayly will Präsident von Peru werden. Das ist nicht so ungewöhnlich, wie es sich auf den ersten Blick ausnimmt. Es hat für Schriftsteller in Lateinamerika Tradition, sich als Politiker zu engagieren. In Argentinien stand an der Spitze der Wahrheitskommission nach dem Ende der Diktatur Ernesto Sabato. Sergio Ramírez war Vizepräsident in Nicaragua und Pablo Neruda bekleidete in Chile die Funktion eines Botschafters.

Unter Kennern gilt Jaime Bayly als einer der umstrittensten Journalisten – das gilt nicht nur für Peru, sondern für ganz Lateinamerika. In Peru tritt er in einer Fernsehshow als eine Art Harald Schmidt auf, doch noch viel anarchischer als der deutsche TV-Star. Er kommentiert aktuelle Geschehnisse, ohne auf die traditionelle Moral seiner Landsleute auch nur die geringste Rücksicht zu nehmen. Jaime Bayly sagt: „Es geht nicht darum, fair und neutral zu sein, ich beziehe Position und sage unangenehme und gemeine Sachen.“

Viele Prominente weigern sich inzwischen in den Fernsehshows von Jaime Bayly aufzutreten. Dem Journalisten Bayly ist das ziemlich gleichgültig: „Ich greife in meinen Programmen auf, was der Zirkus Lateinamerika so hergibt.“ Der 44 Jahre alte Schriftsteller wuchs in Lima, der Hauptstadt von Peru, auf. Seine Eltern gehörten dem gehobenen Bürgertum an, er selbst besuchte eine christliche Schule, aus der er hinausgeworfen wurde. Schon mit 15 Jahren wurde Jaime Bayly Journalist.

Obwohl sich Jaime Bayly offen zu seiner homosexuellen Seite bekennt, besteht er darauf bisexuell zu sein. Er war verheiratet und hat zwei Töchter. Er gehört zu einer neuen städtischen, freiheitsliebenden Elite in Peru, die ein Leben führen, in der die Ideologie keinen Platz mehr hat. Sie fühlen sich ebenso in Paris, Berlin oder London zu Hause wie in Lima. Welchem politischen Lager Jaime Bayly zuzurechnen ist, lässt sich schwer ermitteln. Einer seiner Hauptfeinde ist der Hugo Chávez, der Präsident von Venezuela, den er als präpotent und faschistisch bezeichnet.

Dass Jaime Bayly 2011 beim Kampf um das Präsidentenamt wenige Chancen hat, ist ihm durchaus bewusst. Doch er kann nicht mehr und nicht weniger ein Vorreiter für den politischen Wandel in Peru sein. Er tritt für die Abtreibung und die gleichgeschlechtliche Ehe ein und kritisiert die enormen Ausgabe für die Armee in Peru: „Die größte Ungerechtigkeit in Peru sind die Militärausgaben. Man sollte die Armee abschaffen und das Geld in die Bildung armer Kinder stecken.“