Ernesto Cardenal aus Nicaragua ist auf der ganzen Welt berühmt. In den 1970iger Jahren war er die Symbolfigur für die sandinistische Revolution in seiner lateinamerikanischen Heimat. Er war das Idol der Linken aus aller Welt und versucht heute sein Erbe zu bewahren. Noch immer glaubt Ernesto Cardenal daran, dass die Kunst eine Gesellschaft verändern kann.
1965 gründete der Priester auf der Insel Solentiname eine Gemeinde nach dem Vorbild des Urchristentums. Ernesto Cardenal sagt: „Die Gemeinde von Solentiname hatte eine große Bedeutung für die Revolution in Nicaragua.“ Als er dort hinkam, hatten die Menschen noch nie zuvor etwas mit Kunst zu tun gehabt. Durch die Kunst wurden die Einheimischen dort menschlicher und haben damit Geld verdient, mit dem sie besser leben konnten.
Die Skulpturen, die der Bildhauer Ernesto Cardenal in Nicaragua selbst herstellt, sind anmutige Darstellungen von Ameisenbären, Katzen oder Reihern. Seine Kunst hat nichts Politisches an sich wie er immer wieder betont: „Ich empfinde aber jede Kunst als revolutionär. Sie produziert in dem Moment, in dem sie geschaffen wird, einen Wandel. Das kann man seit den Höhlenmalereinen von Altamira über jede Kunst sagen.“
Ernesto Cardenal betont, dass er sich nie als Politiker verstanden hat: „Ich bin Revolutionär. Das ist etwas anderes. Ich bekam den Posten des Kulturministers in Nicaragua aufgrund der Revolution.“ Seine Arbeit als katholischer Priester verband Ernesto Cardenal mit einer marxistisch angehauchten Ideologie. Dafür wurde er von Papst Johannes Paul II. getadelt, als dieser 1983 Nicaragua besuchte.
Ernesto Cardenal sieht keinen Unterschied zwischen dem Marxismus und dem Neuen und Alten Testament: „Die Propheten der Bibel sagten immer das gleiche wie Marx. Sie sagten, dass Gott keine Tempel, keine Altäre, keinen Weihrauch und religiöse Riten will, sondern die Befreiung der Gefangenen und Unterdrückten.“ Mit der Bewegung der Sandinisten brach der streitbare Revolutionär im Jahr 1994. Sein einstiger Weggefährte und aktuelle Präsident von Nicaragua, Daniel Ortega, ist heute sein Gegner.