Reynaldo Bignone war von 1982 bis 1983 Staatschef in Argentinien und damit der letzte Oberbefehlshaber der Militärjunta, die von 1976 bis 1983 nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen etwa 30.000 Menschen umgebracht hat. Reynaldo Bignone wurde jetzt von einem argentinischen Gericht in 56 Fällen schuldig gesprochen – ihm wurde die Beteiligung an Morden, Folter und Entführungen vorgeworfen.

Der Ex-General wurde von den Richtern in San Martín, in der Provinz Buenos Aires gelegen, zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Sechs weitere Mitglieder der Militärjunta Argentiniens bekamen Haftstrafen zwischen 17 und 25 Jahren. Als Reynaldo Bignone in Argentinien im Juni 1982 die Macht übernahm, befand sich die Diktatur schon in einem maroden Zustand. Sein Amtsvorgänger Leopoldo Galtieri war wegen der Niederlage Argentiniens im Falklandkrieg gegen England zurückgetreten.

Argentinien stand damals wegen der Misswirtschaft der Generäle fast vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Nachdem die Militärjunta öffentliche Wahlen zugelassen hatte, verwandelte sich Argentinien 1983 wieder in eine Demokratie zurück. Die Haftstrafe erhielt der Ex-Staatschef vor allem für seine Tätigkeit als Leiter eines Folterzentrums auf dem Stützpunkt der Armee Campo de Mayo, das westlich von Buenos Aires liegt. Dort wurden rund 4.000 Regimegegner grausam gemartert und getötet.

Der Ex-Diktator Reynaldo Bignone verteidigte sich vor seinen Richtern mit den Worten: „Das Land hat sich in einem Krieg gegen Subversive und Terroristen befunden.“ Diesmal muss der ehemalige General in einer wirklichen Gefängniszelle den Rest seines Lebens verbringen, während viele Verantwortliche für die Grausamkeiten der Diktatur in Argentinien zuvor mit Hausarrest davongekommen waren.

Die Opferverbände in Argentinien lobten ausdrücklich dieses Urteil. Einer ihrer Vertreter Gonzalo Conte sagte: „Das wird dazu beitragen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.“ Auch die Präsidentin der Großmütter der Plaza de Mayo, Estela de Carlotto, begrüßte die Haftstrafe für Reynaldo Bignone: „Die Gerechtigkeit kam spät, aber besser als nie.“ Von den vier ehemaligen Chefs der Militärjunta in Argentinien lebt heute neben Reynaldo Bignone nur noch der 84 Jahre alte Jorge Videla.