Kurz vor Weihnachten 2001 war das Schicksal von Argentinien besiegelt – das Land war pleite. Die schlimmste Wirtschaftskrise des südamerikanischen Landes hatte das Vermögen von Millionen Menschen vernichtet und hunderttausende in die Armut gestürzt. Die Sparer stürmten die Banken, Vermummte plünderten Supermärkte aus. Am 31. November 2001 hoben die Argentinier innerhalb weniger Stunden 1,26 Milliarden Dollar von ihren Konten ab, da sie einen starken Wertverlust ihres Geldes fürchteten.

Ab dem folgenden Tag durften die Sparer in Argentinien nur noch 250 Dollar pro Woche abheben. Der Oberste Gerichtshof wertete diese Maßnahme später als Verfassungsbruch. Am 20. Dezember 2001 stand Argentinien kurz vor der Anarchie: Polizisten hatten vor dem Regierungspalast auf Demonstranten geschossen und mindestens 27 Menschen getötet. Der damalige Präsident Fernando de la Rúa musste mit dem Hubschrauber flüchten.

Anfang 2002 wurde Eduardo Duhalde Präsident von Argentinien, erklärte das Land für bankrott, setzte den Schuldendienst aus und veranlasste eine Abwertung des Pesos. Dadurch verringerten sich die Bankguthaben der Argentinier, Unternehmen schlossen ihre Tore, die Mittelschicht Argentiniens zerfiel. Manchmal wurde sogar der Tauschhandel wieder eingeführt.

Christoph Paulus, Experte für Insolvenzrecht an der Humboldt-Universität in Berlin sagt: „Die Situation Argentiniens 2001 ist grundsätzlich vergleichbar mit der Griechenlands heute.“ Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Ländern. Während Griechenland auf Hilfe aus der EU und des IWF hoffen darf, stand Argentinien im Jahr 2001 im Wesentlichen alleine da.

Bis heute ist Argentinien auf den internationalen Kapitalmärkten geächtet, obwohl sich die Wirtschaft nach dem Absturz von 2001/2002 erstaunlich rasch erholte. Die Dollarparität wurde aufgegeben, wodurch sich die argentinischen Exporte verbilligten. Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach Rohstoffen. Vor allem mit Soja verdiente Argentinien richtig viel Geld.

Private Gläubiger, die damals argentinische Staatsanleihen gekauft hatten und sich nicht mit Abschläge bis 65 Prozent abspeisen lassen wollen, warten heute noch auf ihr Geld. Nur der IWF überwies Argentinien auf einen Schlag 10 Milliarden Dollar. Für Christoph Paulus ist diese Vorgehensweise kriminell: „Die Ungleichbehandlung von Gläubigern ist nichts anderes als Insolvenzbetrug.“