Der argentinische Staat bietet seinen Privatgläubigern wieder einmal eine Umschuldung an. Wer das Angebot annimmt, verliert rund die Hälfte seines eingesetzten Kapitals. Wie schon im Jahr 2005 werden den Anlegern drei verschiedene Möglichkeiten angeboten. Rechtsanwalt Jakob Heichele konkretisiert: „Den Umtausch in einer längerlaufende Anleihe bei gleichem Nennwert zu zwei Prozent Zinsen, den Tausch in ein Papier mit einem Kapitalschnitt um 65 Prozent mit einem Kupon von 8,5 Prozent und eine Anleihe, deren Zinszahlung sich am Wirtschaftswachstum orientiert.

Bei dem aktuellen Angebot will Argentinien Staatsanleihen in der Höhe von rund 20 Milliarden Dollar umschulden. Alle diese Wertpapiere sind vor der erklärten Staatspleite 2001 verkauft worden und danach nicht mehr bedient worden. Experten schätzen, dass bis heute auch noch 10 Milliarden nicht bezahlter Zinsen aufgelaufen sind. Die Umtauschfrist für das neue Umschuldungsangebot endet am 7. Juni 2010.

Anleger, die 2005 das Angebot von Argentinien zur Umschuldung nicht akzeptierten, kämpfen bis heute um ihr Geld. Rechtsanwalt Bernd Jochem von der Kanzlei Rotter in München sagt: „Es gibt über 100 rechtskräftige Urteile, die Argentinien zur Zahlung seiner Altschulden verpflichtet. Allein in Deutschland sind mehr als 500 Verfahren anhängig, die meisten in Frankfurt.“

Rechtsanwalt Jakob Heichele rät den Anlegern, sich auch diesmal nicht auf das Angebot Argentiniens einzulassen: „Nach einer ersten Kalkulation läuft das Angebot auf einen Barwert zwischen 47 und 49 Prozent des eingesetzten Kapitals hinaus.“ Das ist zwar besser als das Angebot vor fünf Jahren, aber die Anleger verzichten bei Annahme auf sämtliche Rechte aus den Altanleihen. Außerdem verlagert sich der Gerichtsstand von Deutschland nach London und New York.

Warum Argentinien seinen Altgläubigern gerade jetzt eine Umschuldung anbietet, hat einen ganz plausiblen Grund. Das südamerikanische Land plagen Auslandsverbindlichkeiten in Höhe von 145 Milliarden Dollar. Gleichzeitig will die argentinische Regierung, weil Wahlkampf herrscht, im nächsten Jahr 30 Prozent mehr Geld ausgeben. Am internationalen Kapitalmarkt kann Argentinien erst wieder Geld aufnehmen, wenn es seine Altschulden bezahlt hat.