Die Europäische Union und Lateinamerika wollen ihre gemeinsamen Handelsbeziehungen ausbauen. Auf einem Wirtschaftsgipfel in der spanischen Hauptstadt Madrid einigten sich die beiden Partner in zwei ganz entscheidenden Punkten. Erstens will Europa wieder mit der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur verhandeln – seit sechs Jahren liegen die Gespräche brach. Zweitens handelte die Europäische Union mit Mittelamerika ein Assoziierungsabkommen aus.

Wie die Kommission der Europäischen Gemeinschaft verlautbarte, einigten sich beide Parteien auf einen Vertragstext. Es soll eine Freihandelszone zwischen Nicaragua, Honduras, Guatemala, El Salvador, Costa Rica und der Europäischen Union geschaffen werden. Teilweise gilt der Vertrag auch für Panama. Zuvor wurden schon von der Eu Verträge mit Peru und Kolumbien ratifiziert. Das neue Abkommen ist das erste Assoziierungsabkommen, das Europa nicht mit einem einzigen Land, sondern mit einem Staatenbund eingeht.

Außerdem einigte sich die EU mit Paraguay, Uruguay, Brasilien und Argentinien, die sich zur Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur zusammengeschlossen haben, die Gespräche über ein Assoziierungsabkommen neu zu beginnen. Frankreich blockierte seit 2004 diese Verhandlungen, weil es Nachteile für ihren Agrarsektor befürchtete, wenn Argentinien und Brasilien praktisch schrankenlos ihre Agrarwaren in die EU exportieren dürfen.

Die Präsidentin von Argentinien, Cristina Kirchner, stellte der EU folgende Bedingung: „Subventionen, Steuerermäßigungen und Exportbeihilfen müssen in der EU bekämpft werden. Alles muss auf den Prüfstand.“ Der Spanier José Manuel Barroso, amtierender EU-Ratspräsident sagte, dass es einen finanziellen Ausgleich für Gruppen geben könnte, die durch den freien Handel zwischen Lateinamerika und der Europäischen Union Schaden nehmen würden.

Vor allem lateinamerikanische Kleinbauern machen ihren Ärger über das Assoziierungsabkommen, das quasi einem Freihandelsabkommen zwischen Lateinamerika und Europa entspricht, lautstark Luft. Schon das Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika brachte den lokalen Erzeugern in den armen Ländern Lateinamerikas große Nachteile. Sie konnten mit den Importprodukten aus den USA nicht mithalten. Kritiker des Vertrages zwischen Lateinamerika und der EU befürchten jetzt sogar, dass die EU und die USA auf lateinamerikanischem Territorium einen Wirtschaftskrieg austragen könnten.