Lange Zeit war das Teatro Colón die teuerste, komplizierteste und umstrittenste Baustelle in Argentinien. Am 24. Mai 2010 war es endlich so weit. Das berühmteste Opernhaus Lateinamerikas wurde im Beisein von 2.500 Ehrengästen feierlich wiedereröffnet. In der Präsidentenloge saß Cristiana Fernández de Kirchner und war von der Musik von „La Bohème“ und „Schwansee“ begeistert. Musikexperten meinen, die Akustik des Opernhauses sei so gut wie in alten Zeiten.
Eingeweiht wurde die argentinische Ikone der Oper am 25. Mai 1908 mit der Oper „Aida“ von Giuseppe Verdi. Damals gehörte Argentinien zu den reichsten Ländern auf dem Planeten. Stararchitekten aus Italien und Belgien entwarfen die Pläne für das Opernhaus. Im Teatro Colón traten in der Folgezeit die berühmtesten Opernsänger der Welt auf wie Enrico Caruso, Maria Callas und Luciano Pavarotti. Hier dirigierten Maestros wie Leonhard Bernstein, Richard Strauss und Daniel Barenboim.
Ab dem Ende des Jahres 2006 war es vorbei mit der Herrlichkeit der Opernwelt im Teatro Colón. Der Vorhang fiel zu letzen Mal und die Oper verfiel in Agonie. Die ersten Versuche, das alte Opernhaus zu renovieren und in altem Glanz erstrahlen zu lassen, verliefen chaotisch – nichts schien zu klappen. Doch ein Heer aus internationalen Bauexperten bekam den argentinischen Problemfall in den Griff. Die Bühnentechnik, die Feuerschutzanlage, die Klimaanlage und das Leitungssystem entsprechen zeitgemäßem Standard.
Auch der einzigartige Seidenvorhang des Teatro Colón wurde fachgerecht restauriert. Er besteht aus zwei je 700 Kilogramm schweren Teilen. Die Sitzreihen wurden entfernt und neu bezogen, mit feinstem Florentiner Stoff. Vor und nach jeder Baumaßnahme prüften die Tontechniker die Akustik. Das Ergebnis ist verblüffend – akustische Unterschiede im Vergleich zum Originalbau seinen für das menschliche Ohr nicht wahrzunehmen.
Jetzt hat Argentinien seinen Musentempel zurück – für geschätzte 100 Millionen Dollar Baukosten. Auch der Kronleuchter, der einst von den Brüdern Azzaretto aus Europa nach Buenos Aires gebracht worden war strahlt in altem Glanz. Das Schmuckstück hängt an einem 1,4 Zentimeter dicken Stahlseil unter der Kuppel und hüllt dem Opernsaal in sein sanftes Licht.