Um die Nachfolge von Àlvaro Uribe als Präsident von Kolumbien konkurrieren der ehemalige Bürgermeister von Bogotá, Antanas Mockus, und der ehemalige Verteidigungsminister Juan Manuel Santos. Die Wahl am heutigen Sonntag dürfte sehr spannend werden, da mit einem Kopf an Kopf-Rennen der beiden Kandidaten gerechnet wird. Es wird erwartet, dass die beiden Politiker jeweils etwa 35 Prozent der Stimmen bekommen werden. Sollte sich diese Vermutung bestätigen, käme es am 20. Juni 2010 zu einer Stichwahl.

Juan Manuel Santos ist von vom amtierenden Präsidenten Àlvaro Uribe zum Präsidentschaftskandidaten gekürt worden und entstammt einer traditionellen Politikerkaste. Er tritt für die U-Partei an, wobei das U für „unidad“ steht, das Einheit bedeutet. Sollte er die Wahl in Kolumbien gewinnen, will er seinen Amtsvorgänger in seine Regierungsmannschaft aufnehmen. In seinen politischen Plänen unterscheidet sich Juan Manuel Santos nicht wesentlich vom Kandidaten der Grünen Partei, Antanas Mockus.

Beide Politiker sind konservativ und setzen sich für ein liberales Wirtschaftssystem ein. Selbstverständlich wollen beide die Armut in Kolumbien bekämpfen. Beide Kandidaten wollen mit großer Härte gegen bewaffnete, kriminelle Banden vorgehen, insbesondere gegen die Guerillaorganisation der „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“, kurz Farc genannt. Der unkonventionellere Kandidat ist ohne Zweifel Antanas Mockus. Während seiner beiden Amtszeiten als Bürgermeister von Bogotá verbesserte er die Sicherheit und die Lebensqualität mit unkonventionellen Methoden in der Hauptstadt Kolumbiens.

Antanas Mockus hat vor allem unter den jungen Wählern in Kolumbien viele Anhänger, die mit der standardisierten Politik der überkommenen Parteien nichts anfangen können. Seine Sympathiewerte kletterten in nicht vorhersagbare Höhen, als er Sergio Fajardo, als seinen Vizepräsidentschaftskandidaten vorstellte. Der Pragmatiker Fajardo war früher Bürgermeister von Medellín und dort sehr populär. Da er sich bei einem Unfall mit dem Fahrrad verletzte konnte er kaum in den Wahlkampf um das Präsidentenamt in Kolumbien eingreifen. Unfreiwillige Wahlhilfe aus Venezuela bekam dagegen Juan Manuel Santos. Immer wenn ihn Präsident Hugo Chávez schmähte, verbesserten sich seine Umfragewerte.