Gegenwärtig verlassen rund tausend Menschen im Monat das kommunistische Kuba, um sich als spanische Staatsbürger, meist in Galicien, anzusiedeln. Aus dieser Gegend im Süden Europas war einst der Vater der Castro-Brüder nach Kuba ausgewandert. In den dreißiger Jahren des vergangen Jahrhunderts flüchteten rund eine Million Spanier nach Kuba, um sich vor dem blutigen Bürgerkrieg, der in ihrer Heimat wütete, in Sicherheit zu bringen.

Nach rund 70 Jahren kehren nun die Kinder und Enkel dieser Flüchtlingsgeneration nach Europa in ihre „madre patria“ zurück. Die Menschen die heute Kuba verlassen, sind allerdings in den meisten Fällen keine politischen, sondern Wirtschaftsflüchtlinge. Verantwortlich für die Einwanderungswelle, die derzeit über Spanien hinwegrollt, ist das „Gesetz über die historische Erinnerung.“ Es ist seit dem 29. Dezember 2008 in Kraft.

Das Gesetz besagt, dass selbst Kinder und Enkel eines spanischen Vaters oder einer spanischen Mutter, die zwischen dem Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 1936 und dem Ende der Nachbürgerkriegszeit im Jahr 1955 Spanien verlassen haben, die spanische Staatsangehörigkeit erhalten können. Seit dem 29. Dezember 2008 haben rund 170.000 Menschen, auf die dieses Gesetz zutrifft, im Ausland einen spanischen Pass beantragt. Rund die Hälfte der Anträge wurde bewilligt.

Das Regime von Fidel Castro in Kuba hat während seiner Regierungszeit etwa zehn Prozent der Bevölkerung verloren, durch Menschen, die in die Vereinigten Staaten von Amerika geflohen sind. Wer heute von Kuba nach Spanien ausreisen möchte, um dort als „Spanier“ ein neues Leben zu beginnen, muss kaum mit Repressalien der kubanischen Behörden rechnen. Inzwischen sind rund 13.000 Kubaner in Galicien eingetroffen, darunter auffällig viele Ärzte und Krankenschwestern.

Aber nicht alle Kubaner, die ihre Heimat auf diesem Weg verlassen, wollen sich dauerhaft in Spanien niederlassen. Viele wollen nur einen spanischen Pass, mit dem sie dann, ohne ein Visum zu benötigen, nach Miami weiterreisen können. In Florida hat fast jeder Kubaner einen Verwandten oder Freund, der ihm helfen kann. Außerdem wollen sich ganz in der Nähe von Kuba sein, wenn die Zeit des Castroregimes vorüber ist, um dann sofort in ihr geliebtes Kuba zurückzukehren.