Noch ist die Präsidentenwahl in Kolumbien nicht entschieden. Doch nach dem ersten Wahlgang gibt es einen klaren Favoriten. Es ist der ehemalige Verteidigungsminister Juan Manuel Santos. Er entschied die Wahl mit einem überraschend hohen Stimmenanteil von 46,5 Prozent ganz klar für sich. Den früheren Bürgermeister von Bogotá, Antanas Mockus, wählten nur 21,5 Prozent der wahlberechtigten Kolumbianer. Da Juan Manuel Santos nicht die absolute Mehrheit erreichte, kommt es am 20. Juni 2010 zu einer Stichwahl zwischen Santos und Mockus.

Wahlbeobachter führen das enttäuschende Wahlergebnis von Antanas Mockus auf die Wahlenthaltung der jungen Wähler in den Großstädten Kolumbiens zurück. Im Wahlkampf waren sie vom Kandidaten der Grünen noch begeistert, am Wahlsonntag ließen sich ihn aber im Stich. Antanas Mockus konnte nur ein Departement von 32 für sich gewinnen. Vor allem in den abgelegenen ländlichen Regionen Kolumbiens demonstrierte der Kandidat der Partido de la Unidad Nacional, Juan Manuel Santos, seine Stärke. Hier bekam er die meisten Stimmen.

Auf dem dritten Platz der ersten Runde der Präsidentenwahl in Kolumbien landet der Kandidat der Gruppierung „Radikaler Wechsel“ (CR), Germán Vargas Lleras. Politikwissenschaftler erwarten, dass dessen Stimmanteil von zehn Prozent bei der Stichwahl an Juan Manuel Santos gehen wird und ihn damit zum neuen Präsidenten kürt. Juan Manuel Santos hat zwar im Wahlkampf immer wieder behauptet, einen anderen Regierungsstil pflegen zu wollen wie sein Vorgänger Álvaro Uribe, doch bei der Sicherheitspolitik wird sich allen Anschein nichts ändern.

Juan Manuel Santos hat Àlvaro Uribe im Falle seines Sieges versprochen, dass er sich einen Ministerposten in der neuen Regierung aussuchen könne. In seiner Zeit als Innenminister war der Favorit der kommenden Stichwahl für die Befreiung der früheren Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt sowie für einen Angriff auf ein Lager der Farc in Ecuador verantwortlich, bei dem der Anführer Raúl Reyes ums Leben kam. Wenn Antanas Mockus in der Stichwahl eine Chance haben will, muss er in den kommenden Wochen des Wahlkampfs alles versuchen, damit seine jungen Anhänger zur Wahlurne gehen.