Der wirtschaftlichen Dynamik Brasiliens, die vor der Fußball WM im Jahr 2014 und den Olympischen Spielen zwei Jahre später, immer mehr in Schwung kommt, kann sich kaum ein Besucher des südamerikanischen Landes entziehen. Wirtschaftsminister Brüderle stellte bei einem Besuch fest: „Das ist längst kein Schwellenland mehr.“ Brasilien ist auch im Gegensatz zu einigen europäischen Staaten sehr gut durch die weltweite Wirtschaftskrise gekommen.
Der Wirtschaftsminister von Brasilien, Miguel Jorge, geht in diesem Jahr von einem Wachstum von sechs Prozent aus und warnt gleichzeitig vor allzu großer Euphorie: „Wir müssen uns schon langsam überlegen, wie wir es bändigen.“ Brasilien hat allerdings ein großes Ziel, das Carlos Mariani Bittencourt von brasilianischen Industrieverband CNI wie folgt erläuterte: „In 30 Jahren wollen wir EU-Niveau erreichen.“
Der Wirtschaftsfachmann lobt seine Regierung, die es geschafft habe, durch eine Politik des Ausgleichs Millionen Brasilianer aus bitterer Armut herauszuführen. 40 Milliarden Euro will Brasilien in die beiden sportlichen Großereignisse investieren, die allerdings auch die Probleme Brasiliens offen zu Tage treten lassen. In manchen Großstädten herrschen Kriminalitätsraten, die denen in Südafrika gleichen. Die Infrastruktur ist völlig ungenügend, was jeder erkennen kann, der sich einmal durch den Verkehr von Rio de Janeiro oder anderen brasilianischen Millionenstädten kämpfen musste.
Für deutsche Firmen sind gerade diese Mängel eine großartige Gelegenheit vom Wirtschaftsboom in Brasilien zu profitieren. Bernd Pfaffenbach, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, konkretisiert diese Annahme: „Wir bauen klimaneutral Stadien, wir bringen die Fans dorthin. Wir überwachen den Verkehr, helfen beim Flughafenbau und können für Sicherheit sorgen.“
Die Startbedingungen für deutsche Firmen in Brasilien sind ausgezeichnet. 1.200 deutsche Unternehmen sind bereits dort aktiv und erwirtschaften zehn Prozent der Wertschöpfung. Die Metropole São Paulo ist der größte Standort der deutschen Industrie außerhalb der Heimat. Fernando Zilveti vom Steuerberatungskonzern WTS do Brasil rät allerdings deutschen Firmen, sich Partner vor Ort zu suchen, da das brasilianische Steuersystem wegen der föderalistischen Struktur des Landes, sehr unübersichtlich sei.